[Interview] Fernsehkritik-TV: Fernsehkritiker Holger Kreymeier über GEZ und Call-in-TV
Fernsehkritik-TV: Fernsehkritiker Holger Kreymeier über GEZ, Meinungsfreiheit und Call-in-TV. Der Gründer von Alsterfilm empfiehlt: Schalten Sie mal wieder ab! Holger hatte noch mehr zu erzählen. Was? Das erfährst Du frei nach dem Motto: “Lese mal wieder ein Interview vom Maclites Magazin!”
Bild: Fernsehkritiker Holger Kreymeier von Fernsehkritik-TV schaltet ab.
Fernsehkritik-TV besteht nicht nur aus dem Moderator. Magst Du das Team an dieser Stelle kurz vorstellen?
Doch, Fernsehkritik-TV besteht überwiegend nur aus mir. Ich mache Schnitt, Moderation und auch die meisten Beiträge. Gelegentlich habe ich Gastbeitrag-Autoren. Es gibt noch meinen Webmaster Christoph und in meinem Diskussionsforum ein paar ehrenamtliche Moderatoren und Administratoren.
Magst Du etwas von Deiner Person preisgeben das über das Web-TV hinausgeht?
Ich bin Journalist, 38 Jahre alt. Ich habe bereits Erfahrungen im Fernsehbereich, sowohl als Redakteur als auch als Cutter. Insofern war es für Fernsehkritik-TV praktisch, dass ich beides gleichermaßen nutzen kann. Ich wohne in Hamburg, die produzierende Firma Alsterfilm gehört mir. Geschäftsführer einer GmbH bin ich also auch noch.
Fernsehkritik-TV hatte zwar mittlerweile die ersten Abmahnungen, trotzdem ist das extrem wenig für öffentliche Kritik – an wen auch immer. Wie hast Du das hinbekommen?
Naja, wirklich vor Gericht zu ziehen und Klage einzureichen, ist schon ein großer Schritt. Zumal ja Meinungsfreiheit in diesem Land zum Glück ein hohes Gut ist. Die Gefahr, sich vor Gericht eine Schlappe zu holen, ist also groß. Als wichtig hat es sich aber erwiesen, dass ich einen eigenen Server habe. Würde ich mich auf Portale wie YouTube verlassen, gäbe es Fernsehkritik-TV schon lange nicht mehr. Dort muss sich nur irgendein TV-Produzent einmal räuspern und schon wird es gelöscht – ohne eine juristische Prüfung. Dafür haben diese Portale das Personal gar nicht – also löschen sie lieber gleich.
Wie würdest Du Kindern Call-In-TV erklären und was ist das Verwerfliche an diesem Format?
Kindern würde ich das so erklären: Stell dir vor, der Lehrer würde dich bitten, dass du ihm eine Zahl zwischen 1 und 1000 nennen sollst. Und wenn du ihm genau die Zahl nennst, an die er gerade gedacht hat, dann kriegst du ein Eis. Du musst aber dem Lehrer erstmal Geld bezahlen, um überhaupt am Spiel teilnehmen zu können. Ob der Lehrer wirklich an die Zahl gedacht hat, die er hinterher behauptet, kannst du übrigens nicht nachprüfen. Genau dies ist das Verwerfliche: Die Zuschauer werden mit psychologischen Tricks dazu gebracht, Geld für eine überteuerte Gewinn-Nummer auszugeben – und zugleich ist ihre Chance etwas zu gewinnen gleich Null. Schlimmer noch wird es dann, wenn sogar von seiten der Macher bewusst manipuliert wird. Auch dies geschieht leider immer wieder und konnte anhand vieler Mitschnitte belegt werden.
Ich persönlich kann es verstehen, wenn es Menschen gibt die der GEZ Wegelagerei vorwerfen. Was ist die GEZ und gibt es Kritikwürdiges bei der GEZ?
Die GEZ ist meiner Meinung nach eine Mini-Stasi. Die Mitarbeiter lauern Menschen auf, sitzen abends hinter Hecken und gucken, in welchen Wohnungen ein Fernseher flimmert. Es gab auch schon einen Fall, wo sich ein GEZ-Mitarbeiter als Heizungsmonteur verkleidet hat, um sich Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen. Die GEZ-Beautragten arbeiten zum Teil auf Provisionsbasis. Das heißt: Wenn sie sogenannte Schwarzseher erwischen, dann kriegen sie einen Teil des nachgezahlten Geldes ab. Dies verführt solche Leute natürlich dazu, auch unlautere Methoden anzuwenden und ist somit absolut unseriös. Dazu kommt, dass die GEZ auch eine bestimmte Klientel an Leuten beschäftigt. In Stellenanzeigen wird extra dazu geschrieben “Schulabschluss nicht relevant”. Man kann sich vorstellen, was für Persönlichkeiten sich da teils melden. Es gab ja auch schon Anzeigen wegen Nötigung.
Bild: Fernsehkritik-TV mag weder GEZ noch Call-in-TV.
Gibt es Podcasts und andere Netzprojekte die Du regelmässig besuchst und empfehlen magst?
Podcasts nutze ich eigentlich kaum. Was andere Bewegtbildmagazine angeht, finde ich fern-gesehen.com – Die Fernseh-Lästerecke sehr schön – das ist von Lars Golenia, der auch schon für Fernsehkritik-TV mehrere Gastbeiträge gemacht hat. Sehr nett ist auch retro-tv.de, wo zwei TV-Junkies an alte Fernsehzeiten erinnern.
Welche Hardware setzt Du allgemein und bei der Produktion von Fernsehkritik-TV ein?
Tja, man braucht eine Kamera, ein gutes Mikro, zwei Scheinwerfer und dann eben einen Computer mit einem guten Schnittprogramm. Ein paar externe Festplatten sind noch wichtig, denn Bewegtbild nimmt unglaublich viel Speicherplatz weg.
Gibt es Tipps und Tricks die Du Einsteigern in Sachen Produktion von Video- und Podcast verraten magst?
Wichtig ist Kreativität. Man sollte sich jeden Satz, den man so von sich gibt, gut überlegen und die Leute nicht mit Geschwätz langweilen. Ich kann das deshalb sehr gut sagen, weil ich mitunter dazu neige und mich dann hinterher selbst im Schnitt ein wenig kürzen muss. In unserem neuen Magazin Pantoffelkino-TV, wo wir ja zu zweit moderieren, müssen wir das noch optimieren.
In der Kürze liegt bekanntlich die Würze. Ja, und ansonsten empehle ich auf jeden Fall eine gute Hardware, also vor allem Kamera und Ton müssen stimmen. Die heutige Generation ist durch HDTV und so weiter derart verwöhnt, dass man als Internet-Format da sicher nicht mithalten kann – aber ein Mindestmaß ist schon wichtig. Vor allem sollte man nicht versuchen, irgendwen anderes zu kopieren. Wiedererkennungswert ist der entscheidende Schlüssel, damit die Leute auch wiederkommen.
Gibt es Merchandising von Fernsehkritik-TV, wie und wo kann man es am besten kaufen?
Ja, wir haben inzwischen 7 DVDs auf den Markt gebracht, diverse T-Shirts und einige andere Artikel. Die gibt es im Shop auf unserer Seite käuflich zu erwerben. Damit unterstützt man dann auch Fernsehkritik-TV.
Hat Fernsehkritik-TV schon Preise gewonnen, wie ernst nimmst Du und was denkst Du über diese Preise / Awards?
Fernsehkritik-TV hat 2008 einen IPTV Award gewonnen. Das war natürlich eine tolle Sache, zumal es auch auf den Münchner Medientagen eine kleine Veranstaltung mit Gästen gab. Ansonsten sind mir Awards nicht so wichtig. Natürlich ist es toll, wenn man für seine harte Arbeit geehrt wird. Und besonders schön ist es dann, wenn der Preis auch noch dotiert ist und man auch finanziell ein bisschen was davon hat. Man sollte aber immer aufpassen, welche Preise man annimmt. Manche sind am Ende nur irgendeine Verkaufsveranstaltung.
Was denkst Du über Paid Content, bezahlten Premium Content, Werbung in Pod- und Videocasts im Allgemeinen und bei Fernsehkritik-TV im Speziellen?
Paid Content ist natürlich eine schöne Sache, wird nur leider kaum funktionieren. Es gibt im Internet eine Gratis-Mentalität, die ist aus den Köpfen der Leute nicht mehr rauszukriegen. Insofern ist das, was Springer sich da jetzt denkt, meiner Ansicht nach ein Flop. Letztendlich lässt sich Qualität im Netz wohl nur über Werbung finanzieren oder ggf. durch Merchandising. So langsam entdeckt die Werbeindustrie ja auch endlich die Möglichkeiten des Internets. Preroll-Spots, wie ich sie vor jeder Folge von Fernsehkritik TV schalte, setzen sich langsam durch – denn hier ist die Aufmerksamkeit viel größer als bei einem teuer bezahlten Spot im Fernsehen. Und man erreicht noch spezielle Zielgruppen. Ich habe kein Problem mit Werbung, nur seriös muss sie sein. Es wäre gerade bei Fernsehkritik-Tv fatal, wenn ich mit dubiosen Spots das Magazin finanzieren würde – wo ich doch im Magazin selbst andauernd vor Abzockereien warne.
Du zeigst häufig TV-Ausschnitte, fällt das unter eine Art Zitatrecht, oder wie kannst Du Dich da rechtlich absichern? Gibt es überhaupt ein Recht auf Zitate?
Nein, das Zitatrecht greift hier kaum. Ich kann mich auf das “Kalkofe-Urteil” des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2000 beziehen, das besagt: Wenn mit der Verwendung von Original-Mitschnitten ein neues, eigenständiges Werk entsteht, das die gezeigten Szenen kritisch kommentiert, dann ist das zulässig. Damals hatte RTL bzw. Grundy gegen die PRO7-Sendung “Kalkofes Mattscheibe” geklagt – und verloren. Ich finde das auch richtig so, denn wie soll ich das Fernsehen kritisieren, wenn ich die entsprechenden Passagen nicht zeigen darf?
Magst Du noch etwas mehr über Alsterfilm erzählen? Gründung, Entwicklung, Meilensteine, Gegenwart und Zukunft?
Alsterfilm ist eine kleine Firma, mit der ich gelegentlich ein paar Aufträge von Firmen im Imagefilmbereich angenommen habe. Inzwischen habe ich mich aber ganz auf die Produktion von Internet-Projekten spezialisiert, weil hier viel Potenzial liegt. Man braucht jedoch einen langen Atem, um solche Projekte zu etablieren. Gegründet wurde Alsterfilm bereits 2005, eine GmbH ist die Firma seit Anfang 2009.
Hast Du einen Überblick aus welchen Ländern Deine Zuschauer kommen?
Natürlich aus Deutschland, Schweiz und Österreich. Mitunter kommen auch Mails von ausgewanderten Deutschen, zum Beispiel aus Kanada. Die schreiben mir dann immer, dass ich sie darin bestätige, dass sie das deutsche Fernsehen nicht vermissen müssen.
Worüber würdest Du gerne etwas sagen, wonach ich aber nicht gefragt habe?
Schalten Sie mal wieder ab!
Bild: Fernsehkritik-TV-Slogan.
Das war Holger Kreymeier von Fernsehkritik-TV. Danke!
Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Schau regelmäßig nach neuen Interviewgästen von Maclites und verfolge das Maclites Magazin über:
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Aktualisiert am 19/11/2011
Tags: Fernsehen, Filmemacher, Kritiker