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Gamer-Podcast “Spieleveteranen”. Doc Bobo. – Mitgründer der Spielezeitschriften Power Play und PC Player, Boris Schneider-Johne

Von Doc Bobo zum Kugelblitz. Vom Redakteur zum Berater. Mit anderen bekannten Gesichtern aus Redaktionen ehemaliger Spielezeitschriften den Gamer-Podcast Spieleveteranen gegründet. Was ich Boris Schneider-Johne noch entlocken konnte erfährst Du im Interview. Have a lot of fun!

Bild zeigt Logo vom Spieleveteranen-Podcast (Jürgen Frey)

Einige kennen Dich als Doc Bobo, Boris oder Herr Schneider-Johne. Magst Du Dich den Besuchern von Maclites bitte vorstellen, Boris?
Mein Name ist Boris Schneider-Johne; im zarten Alter von 19 Jahren stolperte ich direkt nach dem Abitur durch eine Kette glücklicher Zufälle in die Redaktionen des Markt & Technik Verlages und gründete mit Heinrich Lenhardt erst die “Power Play”, dann fast zehn Jahre später die “PC Player” – beides jeweils recht erfolgreiche Spielezeitschriften.

1997 war ich von Computerspielen übersättigt, dachte “da kommt nichts mehr”, und ging als Marktforscher und Berater zu Microsoft. Seit 2000 arbeite ich dort in wechselnden Funktionen für die Videospielkonsole Xbox.

Nebenbei betreibe ich ein Blog und mache bei einem recht erfolgreichen Podcast, den Spieleveteranen, mit. Mein alter Spitzname aus Power Play-Zeiten ist “Doc Bobo”, heutzutage kennt man mich auch als “Kugelblitz”, meinem Spielerpseudonym auf Xbox Live. Kugelblitz ist ein deutsches Wort das Amerikaner aussprechen können und dann sehr mysteriös klingt. Im Deutschen bezeichnet es ein selten auftretendes und unerklärtes physikalisches Phänomen. Damit kann ich mich ganz gut identifizieren.

Erzähl bitte etwas über Deine Zeit als Redakteur diverser Spielezeitschriften (Viele finden sich mittlerweile beim Kultboy)
Naja, wie das halt so ist als enthusiastischer junger Mensch, der ohne große Zwänge machen darf, was er mag und dafür auch noch Geld kriegt. Insbesondere das Wunder, gleich zweimal mit einer Heftneugründung erfolgreich zu sein. Power Play war so erfolgreich, daß der Verlag es wieder in der Happy Computer verstecken mußte, damit die nicht an Auflage verliert, und PC Player hat zu seinen besten Zeiten mehr Exemplare verkauft als jede andere europäische Spielezeitschrift. Und beide Hefte waren ja mehr oder minder instinktive Entwicklungen von Heinrich Lenhardt und mir.

Gamer-Podcast Spieleveteranen – Homepage von Boris Schneider-Johne

Wir haben einfach das Heft gemacht so wie wir es uns vorgestellt haben – zu Power Play Zeiten noch mehr unter technischen Zwängen stehend, beispielsweise weil Farbfotos damals richtig teuer waren und es daher Limits bei der Bebilderung gab. Aber PC Player ist einfach “unser” Heft gewesen und lag glücklicherweise auf der Wellenlänge der Käufer. Heute würde mir das nicht mehr gelingen – Zeitschriften wie Edge oder Gee, die ich gegenüber anderen als Leser bevorzuge, sind nicht gerade Auflagenkönige.

Wie war bzw. kam das denn nun wirklich das Du vom Spielemagazin- Redakteur zu einem grossen Spielekonsolen-Hersteller gegangen bist?
Im Jahr 1996 passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Zum einen war mein Kreuzzug gegen die Wertung im 100er-System ein Schlag ins Wasser. Viele PC Player Leser wollten nicht das schöne, neue und in meinen Augen ehrlichere Wertungssystem, sondern bestanden auf einer Zahl als Maßstab für ein Spiel.

Gleichzeitig hatten auf einmal beigelegte Vollversionen mehr Auswirkungen auf die Verkaufserfolge am Kiosk als die Inhalte. Und dann war in vielen Spielegenres der Wurm drinnen – die “Multimedia”-Welle flaute schon wieder ab, weil bis auf wenige Ausnahmen die Qualität der Titel unterdurchschnittlich war, Handlungs-basierte Spiele wurden immer schwächer und ich hatte das Gefühl, das wenig bis nichts neues mehr in den nächsten Jahren passieren würde. Und mir fielen auch keine Wörter mehr ein, mit denen man sich immer mehr ähnelnde Spiele noch lebhaft beschreiben konnte.

Und während ich im Sommer so über meine Zukunft grübelte, kam ein Angebot auf den Tisch, bei Microsoft Martkforschung zu machen und die Programmierer in den USA über Deutschland und Europa zu beraten – und das nur in zweiter Linie für Spiele. Produkte wie Microsoft Office oder die Enzyklopädie Encarta waren am Anfang mein Haupt-Arbeitsgebiet. Nachdem ich drei Jahre bei Microsoft war, wurde das erste Mal Xbox vorgestellt. So bin ich dann wieder in einen Vollzeit-Job in der Spielebranche geraten. Eigentlich wollte ich mit SQL Server in Ehren alt und grau werden.

Machst Du Dir auch Gedanken um Spiele für die Mac-Plattform?
Berufsmäßig mache ich mir ehrlich noch nicht mal Gedanken um die PC-Plattform. Nach vielen Jahren Abstand finde ich es geradezu absurd, wie zersplittert die PC-Hardware ist, wie sehr man sich damit beschäftigen muß, einen Spiele-PC zu hegen und zu pflegen, trotz aller Bemühungen meines Arbeitgebers, die Technik durch Software zu abstrahieren. Wenn ich die Release Notes zu einem neuen Nvidia-Treiber lese, schüttelt es mich regelrecht.

Und mit Macs habe ich noch weniger zu tun. Ich hab letztens erst wieder mal kurz an einem gesessen und wußte nicht mal, wie man Fenster zumacht. Ich bin ein Windows-Mensch, und das bei Windows 7 sogar mit großer privater Überzeugung.

Bei Spielen bin ich beruflich auf Xbox fixiert und teile mir das Spielen auf vier Plattformen ein: Mainstream/Action an der Xbox 360, Casual Games (Wimmelbilder und Facebook) am PC, portables Spielen am iPod/iPhone, welches meinen Nintendo DS zur Zeit in die Ecke gedrängt hat, wobei ich eine große Modulsammlung habe und mich auf den DSi XL freue. Mit bald 44 Jahren sind große Bildschirme eine feine Sache.

Die Spieleveteranen haben nun schon einige Podcasts aufgenommen. Wie siehst Du die Entwicklung von Eurem Gamer-Podcast Spieleveteranen?
Der Spieleveteranen-Podcast ist einfach der monatliche Clubabend der alten Herren, bei dem ein Tonband mitläuft. Das merkt man glaube ich den jüngeren Episoden deutlich an, bei dem es immer weniger Vorbereitung und dafür mehr “ins Wort fallen” gibt. Wir sprechen die Themen kurz ab, damit sich jeder Gedanken machen kann, aber es gibt keine verteilten Rollen; zehn Sekunden vor der Aufnahme wissen wir nicht mal, wer denn diesmal den “Moderatorenhut” aufhat, also die Intro-Ansage macht.

Da die Abrufzahlen nicht rückläufig sind, scheint das auch niemand abzuschrecken. Ich persönlich habe auch kein Interesse daran, den Podcast jetzt noch weiter auszubauen oder gar zu kommerzialisieren; das dürfte ich auch nicht so ohne weiteres, da ich als einziger der fünf Veteranen bei einer Firma fest angestellt bin, die bezahlte Nebentätigkeiten nicht so gerne sieht. Ich bin auch erstaunt, wie lange wir durchgehalten haben, wobei die Abstände zwischen den Aufnahmen immer größer werden, weil wir immer versuchen, alle fünf zusammenzubekommen, aber jeder auch andere Aufgaben hat.

Welche Spiele oder Genre reizen Dich aktuell am meisten und was ist für Dich kritikwürdig?
Das ist recht einfach. Ich verstehe die meisten Shooter nicht. Ich war schon immer ein Story-interessierter Mensch und kann zum Beispiel mit dem fünfzehnten Shooter im zweiten Weltkrieg nicht die Bohne anfangen. Zudem fühle ich mich tatsächlich für manche von den Spielen zu alt. Und die diversen Schock/Horror-Spiele, sowas wie Resident Evil oder auch das alte Doom 3, machen mich nicht die Bohne an. Nichts gegen einen guten Horrorfilm, Shining von Kubrick beispielsweise, aber ich finde das ewige “Ein Zombie/Tentakel/Schleimmonster springt dich an, also schieß es weg” nicht gruselig.

Zudem finde ich privat das Getue um Brutalität in diesen Spielen sehr befremdlich. Schon seit Jahren sage ich, daß ein Spiel, welches ohne Arme wegballen und Blutspritzer überall weniger Spaß macht, schlicht und einfach ein schlechtes Spiel ist. Die wahre Kunst liegt im Weglassen und Andeuten – da nehme ich es ganz mit Hitchcock.

Ich mag alles, was eine Story hat, mich überrascht und insbesondere nicht versucht, mich ständig in die Pfanne zu hauen. Ja, ein Spiel soll eine Herausforderung sein, aber doch bitte schön für normale Menschen schaffbar. Ich hab letztens wieder “The Lurking Horror” von Infocom gespielt, eines meiner Lieblingsadventures und durchaus gruselig.

Ich spiele viel auf iPhone und Nintendo DS. Auf Reisen vertreibe ich mir die Zeit gerne mit einem Wimmelbilderspiel. Vor kurzem habe ich “Mahjongg Dimensions” entdeckt, das natürlich nichts mit Mahjongg zu tun hat (mein Lieblingsrant), sondern eine Shanghai-Abart in 3D ist. Ich mag Project Gotham Racing 4 und Burnout. Das Giana Sisters Remake auf iPhone ist sehr hübsch geworden und trotz Touchscreen spielbar. Ich mag Canabalt unheimlich gerne, weil es so schön simpel ist und doch jede Menge Stil hat. Und ich versuche mich immer häufiger am Schlagzeug in Rock Band und Guitar Hero und werde langsam besser.

Was denkst Du über das iPhone und den iPod touch als Spieleplattform?
Nun, mein iPhone hat meinen Nintendo DS fast arbeitslos gemacht. Ich mag “Fingergaming”, wie ich die Klasse der iPhone-Spiele nennen würde, wobei die Spiele ja auch auf einem Nicht-Apple-Gerät funktionieren würden, wenn es denn einen solchen Touchscreen hätte.

Mit Freude (als Konsument) und mit Argwohn (als Produzent) sehe ich die Spielepreise auf der Apple-Plattform. Ob sich langfristig die Entwicklung hochwertiger Programme lohnt, wenn man nicht mal 5 Euro verlangen kann?

Umgekehrt mache ich so viele Impulskäufe preiswerter Apps. Aber natürlich ist auch viel Schrott dabei, gerade Spiele, die auf dem Touchscreen einen Joystick emulieren wollen, machen mir wenig Spaß. Zum Beispiel der berühmte C64-Emulator, den finde ich unspielbar.

Gibt es Podcasts und Blogs die Du für empfehlenswert hälst (Top5)?
Ich komm zu nix. Ehrlich, ich höre praktisch keine Podcasts. Abundan gebe ich mir SuperHyperTurbo, aber das war es dann auch. Selbst Major Nelson Radio, der quasi offizielle Xbox-Podcast, geht an mir vorbei, den höre ich dreimal im Jahr. Das ist kein Desinteresse, das ist einfach Zeitmangel. Man hat mir empfohlen, sie im Auto zu hören, aber ehrlich, Autozeit ist Musikzeit, weil ich sonst auch nicht zum Musikhören komme.

Glaubst Du an das iPad als Spieleplattform?
Ich hab noch kein iPad in der Hand gehabt und ich habe Zweifel, was die Ergonomie angeht. Kann man das wirklich bequem halten und darauf spielen? Zudem ein Gerät mit höherer Auflösung bedeutet, daß man “mehr” Grafik malen muß, die Downloads deutlich größer werden und somit die Spiele nicht mehr so einfach für einen Euro über den Äther gehen. Aber ich wurde ja auch bei der Wii eines Besseren belehrt, der ich nur einen begrenzten Markt vorhersagte.

Mit welcher Hardware arbeitest Du privat und beruflich und warum hast Du Dich gerade für das Setting entschieden?
Ich bin sozusagen atomisiert. Diese Zeilen gerade schreibe ich auf einem ein Jahr alten Netbook (aufgerüstet auf Windows 7). Ich mag das erste Aspire One, eben weil es so klein ist. Wieso der Trend bei Netbooks war, sie wieder größer zu machen, ist mir nicht ganz klar, insbesondere weil sich die Leistung ja nicht geändert hat. Meine beiden PCs zu Hause sind ebenfalls Atom-PCs mit Nvidia Ion-Grafik, auch beide natürlich mit Windows 7.

Einer steht im Wohnzimmer, ist mein Videorecorder (Windows Media Center) und mittels eines externen Laufwerks inzwischen auch Blu-Ray-Player. Der zweite “klebt” an einem Monitor hinten dran. Nein, ich will nicht verzweifelt einen Imac emulieren, aber ich mag das Konzept des quasi unsichtbaren PCs. Alle meine PCs brauchen weniger Strom als eine alte Glühbirne. Ich bin nicht der “grünste” Mensch, kann aber nicht verstehen, warum manche Leute ein Heizkraftwerk mit 600 Watt benutzen, um im Internet zu surfen oder einen Shooter zu spielen – nehmt eine Spielkonsole, die macht weniger Installationssorgen und braucht nur 20% des Stroms, den Euer PC zieht.

Ich bin nur durch Zufall auf den Podcast “Spieleveteranen” gestossen. Ihr seid aber noch immer sehr bekannt, nicht nur unter “Alt-Gamer”. Hat Dich der Erfolg des Podcasts überrascht?
Zugegeben hatte ich mit ein paar Hundert Hörern gerechnet und mit nachlassendem Interesse nach ein paar Folgen. Alleine auf meiner Webseite sind es aber über viertausend Zugriffe pro Episode und das mit steigender Tendenz. Außerdem hosten die anderen Veteranen ja auch den Podcast auf ihren Seiten, da kommt also einiges zusammen. Da ich selber kaum Podcasts höre, wie schon erwähnt, fühle ich mich durch dieses zeitliche Investment schon geehrt und angespornt. Und als wir auf Itunes in der Jahresbestenliste der Apple-Redaktion gelandet sind, hab ich mir das ganz stolz ausgedruckt und an meinen Schreibtisch gepinnt, so nach dem Motto “Wir alten Knacker können’s noch”.

Wieso gibt es keine zentrale Homepage für den Podcast? Ich verlinke meist lenhardt.net.
Lustigerweise haben wir das vor kurzem erst wieder diskutiert. Allerdings hieße “zentrale Seite” auch, daß wir so eine Seite pflegen müssten. Und keiner der Veteranen hat die Zeit, dies zusätzlich zu machen, abgesehen von den, wenn auch geringen, Kosten, die durch ein weiteres Hosting entstehen. Wenn das ganze beispielsweise durch eingeblendete Werbung Umsatz machen würde, müßte ich aus dem Podcast vielleicht aussteigen – denn das wäre eine genehmigungspflichtige Nebentätigkeit, da ich ja einen Arbeitsvertrag mit Microsoft habe. Wenn ich in meiner Freizeit einen Podcast, ohne Geld zu verdienen, auf meine Webseite stelle, ist das was anderes. Heute, am 19.03.2010 haben die Spieleveteranen ihrem Podcast eine Homepage spendiert. Anlaß ist der 1. Geburtstag des Spieleveteranen-Podcast.

Würdest Du gerne über etwas reden, wonach ich aber nicht gefragt habe?
Glücklicherweise gibt es ja dreisechzig.net, wo ich mich, hoffentlich bald wieder häufiger, über all das auslassen kann, was man mich nicht in Interviews fragt. Und kurze Perlen meiner Weisheit (Ha!) findet man auf Twitter bei @dreisechzig. Ansonsten: Danke für die Fragen und viel Erfolg mit dem Interview.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Das war Boris “Doc Bobo” “Kugelblitz” Schneider-Johne.

Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Schau regelmäßig nach neuen Interviewgästen von Maclites und verfolge das Maclites Magazin über:

Aktualisiert am 19/11/2011

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