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“Garageband enthält Features die so nicht in Logic Pro zu finden sind!” | Mac Screencaster Andreas Zeitler

Zettt habe ich während meinem Switch Ende 2006 in dem Forum einer der größten Mac Communities getroffen. Nun gab es die Gelegenheit Andreas zu seinen Podcasts, Screencast und anderen Projekten ein Loch in den Bauch zu fragen. Wenn ihr wissen wollt was Zettt verraten hat, lest das Interview. Viel Spaß und “Wir sind die Guten!™ Mac-TV”.

Mac OS X Screencasts von ZetttMac OS X Screencasts von Zettt

Dein Nickname ist Zettt und Du bist Macuser. Magst Du mehr von Dir verraten?
Mein bürgerlicher Name ist Andreas Zeitler. Ich arbeite als Redner, Tontechniker und Screencaster. Meine Expertise sind Audio- und Musik-Software, worüber ich auch screencaste. Generell bin ich aber an aller Art von Software interessiert. Deswegen habe ich das Portal Mac OS X Screencasts aufgemacht.

Ausserdem bin ich an Productivity und Zeitmanagement interessiert. Ich beschäftige mich relativ ausgiebig mit dem Thema GTD und Zeitmanagement, lese Bücher, halte Vorträge und habe dazu auch ein Partnerprojekt gegründet. Die Digitale Wiese hilft jedem gerne der Hilfe beim Start in das soziale Web und beim “Dinge geregelt kriegen” benötigt.

Was sollte ich als Macuser über Zeitmanagement wissen?
Wieviel darf ich hierüber schreiben?

Nein, Spass beiseite. Ein Kalender und eine Taskliste ist mehr als eine Ansammlung von Dingen die man machen muss. Vielmehr ist es eine chronologische Information darüber wer ich als Mensch bin und wo ich versuchen möchte hin zu gehen – und darüber wo ich war.

Was für Ziele verfolge ich eigentlich und noch viel wichtiger welche nicht? Wo lohnt es sich Zeit zu investieren? Welche Dinge sind mir wichtig?
Das schöne am Zeitmanagement ist, dass man irgendwann mal intuitiv Auskunft darüber gibt, was man möchte und was nicht.

Was einem Zeitmanagement bringt ist also Balance. Alles ist irgendwann im Gleichgewicht. Es gibt diese Stressmomente an denen einem die Arbeit über den Kopf zu wachsen scheint. Da kommen 5 Mails von Kunden rein und die beinhalten 20 verschiedene Aufgaben. Welche macht man zuerst? Welche zuletzt? Wo fängt man an? Kann man das überhaupt fertig bringen? Oh Gott, alles ist ganz schlimm!

Mit einem einigermassen ordentlichen Zeitmanagement geht man her, macht sich kurz eine Liste dieser 20 Tasks, dazu noch die Aufgaben die gerade eh schon anstehen. Dann hat man alles im Überblick, kann das ordnen und siehe da. Alles ist auf einmal ganz einfach.

Welche Mac-Blogs und Mac-Podcasts besuchst Du häufig und wie versorgst Du dich mit Mac-Nachrichten?
Mein Lieblings Mac Podcast kann ich gar nicht so genau benennen. Ich höre gerne MacBreak Weekly und den International Mac Podcast, aber auch Mac Power Users oder den Typical Mac User Podcast. Ansonsten habe ich knapp 100 Feeds in Google Reader abonniert und natürlich ist Twitter eine supergeniale Möglichkeit um an neue Infos zu kommen.

Als Mac Blogs kann ich TUAW, TheAppleBlog oder MacUpdate empfehlen. Die deutschen Blogs mag ich eigentlich alle nicht so sehr. Meist ist es so, dass die Information, wenn diese Blogs sie aufpicken, schon über Twitter und eben die englischen Blogs breit getreten wurden – langweilig.

Seit neustem habe ich Instapaper entdeckt, ein grossartiger Dienst. Damit hebe ich mir Artikel für später auf und lese sie dann auf…naja man nennt das landläufig “Klolektüre”.

Als deutschen Blog kann ich eigentlich nur den iPhoneBlog.de von Alex Olma empfehlen, aber den auch nur, weil ich keine Lust habe irgendeinen anderen iPhone Blog zu lesen. iPhone, iPhone, iPhone überall. Ich kann’s nicht mehr hören. Alex schreibt für mich, quasi zusammenfassend, das beste auf und ich kann das dann lesen, wenn mir danach ist.

Welche Mac-Hardware steht bei Dir herum und hast Du noch andere Apple-Gadgets?
Ein MacBook Pro 17″ aktuell. Es wird wohl auch ein 17″ bleiben, weil ich sonst keinen Desktop Rechner habe. Das halte ich inzwischen auch für überflüssig. In meinem “mobilen Studio” kann ich, wo immer ich mich befinde, sofort los produzieren. Ob ich jetzt irgendwelche Musiken verfeinere oder einem Screencast den finalen Lack auftrage, alles geht direkt von meinem Schoss in die Wolke. Ist doch super, oder?

An welchen Netzprojekten arbeitest Du zur Zeit?

Wie bereits erwähnt gibt es da doch einiges.

Profitierst du bei Podcastaufnahmen, von deinem Wissen als Tontechniker? Beim Digitalen Grundrauschen gab es ja lange Probleme mit der Qualität.
Ja, die gab es und damals habe ich pro Podcast Folge ca 5-8 Stunden investiert nur um das Material zu bearbeiten. Natürlich hört man das stellenweise, ich habe aber damals mein Bestes versucht. Das alte Team gibt es inzwischen nicht mehr. Trotzdem mache ich den Podcast weiter – mit einigen wenigen “festen” Gästen, dem alten Sendekonzept und unregelmässiger.

Lange Rede kurzer Sinn. Ja, ich habe damals viel dazugelernt. Vor allem habe ich angefangen über Qualitätsanforderungen nachzudenken und habe einige Erfahrungen daraus gewonnen. Was ebenfalls sehr interessant war die Erfahrung zu machen mit “tontechnisch Unbegabten” zusammen zu arbeiten und ihnen zu erklären warum, welcher Workflow so zu sein hat wie er nunmal ist – spannend. Natürlich habe ich insgesamt davon profitiert. Man profitiert immer, eigentlich an allem was man macht, das was man auch selbst als Beruf ausübt erfährt man eben intensiver.

Was ist für dich ein guter Screencast?
Das kommt ganz drauf an. Manche Video Tutorials sind deswegen so gut weil sie vor allem inhaltlich was hergeben und dann ist es auch egal ob das mit der Handykamera gefilmt wurde. Aber reines gutes screencasting zeichnet, zum Beispiel, folgendes aus:

  • Natürlichkeit
  • Zooms und Pannings
  • Ein sympathischer, lockerer Ton
  • Inhalt
  • Struktur

Viel zu oft sehe ich Screencasts von Kollegen, welche die gleiche Software wie ich benutzen, welche schon auch gut aussehen. Nur mit ein paar Mausklicks mehr könnten sie bombastisch sein. Zum Beispiel, wenn jemand alles in den Standardkonfigurationen verwendet. Standardübergänge, Standardzooms, Standardlangweiligkeit. Noch ein grosser Fehler ist, meines Erachtens, “alles muss ja immer schön HD sein”. Das sehe ich genauso häufig.

Genau genommen könnte ich über dieses Thema noch stundenlang diskutieren. Das Thema ist gerade sehr weit oben auf meinem Tisch, da ich damit einen Grossteil meines Einkommens bestreite.

Welche Mac-Software würdest Du Podcasteinsteigern empfehlen und warum?
Einsteiger bekommen mit GarageBand mehr als genug. Mein Problem ist, jemandem verständlich zu erzählen, dass GarageBand wirklich gut ist. Man denkt nämlich immer, dass man sich extra was runterladen muss und das muss dann ja was taugen – man hat’s ja *extra* gemacht. Dabei ist GarageBand grossartig. Es enthält einige Features die so nicht mal in Logic Pro zu finden sind.

Kleiner Tipp am Rande: Das eigene Intro ist mit GarageBand und den AppleLoops ganz leicht erstellt.

Aber GarageBand hat auch Nachteile. Bei mir stürzt es leider ziemlich häufig ab. Vor allem bei langen Aufnahmen. Daher verwende ich zum Recording Audio Hijack Pro von Rogue Amoeba. Ein grossartiges Tool.

Zur Post-Production verwende ich, tatsächlich, inzwischen GarageBand. Der Podcast hat keine Top-Quality Anforderungen mehr. Deshalb nehme ich das Skype Gespräch lokal auf. Das ist ausreichend.

Was für ein Mikrofon benutzt Du bei der Aufnahme von zum Beispiel den Macosxscreencasts?
Ich habe zwei Mikrofone einmal ein Samson C03U und ein MiPro MU-55HN (wird, glaube ich, nicht mehr hergestellt). Zwei hochwertige Mikrofone. Vor allem das MiPro. Das ist ein Headset Mikro was bei mir über ein E-MU Tracker Pre am Rechner hängt. Das MiPro gehört mir jedoch nicht, sondern ist eine Leihgabe eines meiner Arbeitgeber.

Du hast dich ausgiebig mit dem Thema “Mehr-Ender” auseinandergesetzt, magst du dazu etwas erzählen und vielleicht ein paar Tipps geben?
Gerne. Ein Double- oder Noch-Mehr-Ender wird eigentlich ganz einfach aufgenommen. Jeder nimmt zuhause seinen eigenen Ton auf und der wird dann später einer Person zugesendet, der diese dann zusammen schneidet.

Am besten, macht man es so, dass am Anfang der Aufnahme jeder sein Headset, Mic, was auch immer, kurz mal an den Lautsprecher oder Kopfhörer hält und darüber dann eine Person einmal ein schnippen/klatschen sendet. Somit hat man am Anfang der Aufnahme ein Signal, wodurch man alle Einzelaufnahmen relativ leicht synchron bringen kann.

Hat man das nicht, legt man einfach Person für Person die Aufnahmen übereinander und achtet darauf, dass beim anpassen ein leichtes “flangen” (engl.) zu hören ist. Das geht besonders gut bei der Vorstellungsrunde am Anfang.

Als Format kann ich, wenn es auf Qualität ankommt Apple Lossless empfehlen. Der Vorteil ist, dass ein 2h Podcast nicht mehr über 1GB (pro Person) übertragen werden muss, sondern nur noch ein Bruchteil davon. Wenn Qualität keine Rolle spielt, am besten MPEG-4 AAC 256kbps.

Viele Podcast-Einsteiger haben Probleme mit der Akustik. Es ist nervig für die Zuhörer wenn es hallt als wäre man in einer großen Kathedrale. Was kann dagegen gemacht werden?
Naja…eben nicht in einer “Kathedrale” zu sitzen. Bedeutet, akustisch lässt sich da nicht viel machen. Ein Mensch aufgenommen in der Kathedrale wird immer irgendwie nach “Mensch in der Kathedrale aufgenommen” klingen. Deshalb hier mein Tipp: Entweder Ortswechsel oder Ortsoptimierung.

Am Podcast-Ort kann man beispielsweise *Dekoartikel* aufstellen. Oder akustisch ausgedrückt, Material, Schallabsorber oder “Streumittel”. Damit erreicht man eine bessere Verteilung des Schalls. Und damit wiederum ändert sich die Nachhallzeit und die Aufnahme wird besser/trockener.

Dennoch, auch die optimalste akustische Anpassung kann schlechtes Equipment nicht besser machen!

Womit schneidest du deine Podcasts und worauf muss man unbedingt achten?
Wie bereits gesagt, geschieht das mit GarageBand. Früher habe ich Soundtrack Pro benutzt, was mehr als gut war (mal abgesehen von den ganzen Bugs…).

Worauf man achten muss?! Naja das Übliche eben. Knackser, Aufnahme, Akustik. Stupide Tontechniker-Tätigkeiten stehen auf dem Tagesplan. Alles Dinge die ich bei Tontechnik für Anfänger, einem meiner Podcasts, erläutere.

Bester Tipp vielleicht: Nicht zuviel herumproduzieren. Wenn die Aufnahme nicht gut ist, kann die beste Post-Production meist nichts mehr retten. Deshalb ehrlich sein und mit den Mitteln arbeiten die man hat.

Für das Digitale Grundrauschen hat das auch lange gedauert. Inzwischen produzieren wir keine Double-Ender mehr, sondern nehmen einfach das Skypegespräch, *quasi* ungeschnitten, und das wird dann veröffentlicht. Punkt. Die Zuhörer scheinen das zu begrüssen, wir würden jetzt wie jeder andere Podcast klingen…

Wie siehst du die Politik und Strategie von Apple und magst du dazu etwas sagen?
Ich sehe gerade den Desktop (und Laptop) sterben. Viele der geliebten Tools scheinen damit auch zu gehen. Vor allem aber auch Systeme von denen ich weiss, dass sie auf iPad/iPhone keine Zukunft haben. Dazu gehören beispielsweise Quick-Launcher wie LaunchBar oder Trigger-Monster wie Keyboard Maestro – beides zwei meiner absoluten Lieblingstools.

Das Flash sterben muss ist klar. Ich sehe Flash nicht als “offen” wie Adobe das darstellt. Obwohl es möglich ist Flash Content tatsächlich mit Open Source Lösungen herzustellen, ist Flash an sich eben nicht offen. Das iPhone OS mag Entwickler limitieren, aber selbst die Sandbox hat diese nicht daran gehindert tausende von hervorragenden Apps zu schreiben.

HTML5 ist die nächste Version von HTML – ein Standard eines Konsortiums. Da haben mehrere Leute ihre Finger im Spiel. Es wird Applikationen geben für HTML5. Es gibt sie ja bereits! Scribd, der New Yorker und viele weitere, grosse, Projekte.

Die Zukunft der Computer wird sich weiter auseinander bewegen. Es wird, denke ich, einen stärkeren Unterschied zwischen Pro- und Consumer-Geräten geben. Denkt man da nur mal an den Usecase, dass jemand im Zug sitzt um dort zu “computern”.

Der Pro-User will auch mal unterwegs schnell mal ein wenig Musik kreieren. Der Consumer will unterwegs doch eher irgendwas lesen, facebooken oder twittern. Da sehe ich Pro’s immer noch einen Laptop benutzen, der sich aber auch stark ändern wird – er wird touchbarer. Der Consumer wird wohl iPad-ähnliche Geräte unterwegs benutzen.

Auch zuhause sehe ich Änderungen kommen. Da wird auch das iPad (oder ähnliches…) Einzug halten. Als Fernbedienung, Buch-lese-Device, Spielkonsole, etc. pp. Desktops wird es zuhause auch immer noch geben. Aber eben auch anfassbarer und integrierter. Da denke ich werden die Medien verschmelzen. Computer, Fernseher und Internet in einem. Wer kauft sich schon noch einen Fernseher um damit fern zu sehen? Das machen viele doch bereits online. Online, online, online. Alles muss ins Web!

Viele haben gerade so ein bisschen Angst und sehen den Desktop aussterben. Grund: Der Umzug vom Desktop auf den Laptop brachte eigentlich keine keine Änderung im Paradigma. Man kann die Anwendungen des Desktops 1:1 auf dem Laptop benutzen. Mit dem iPad geht das nicht mehr. Es wird aber alles nicht böse werden, sondern ganz ganz ganz toll! So wie wir uns das wünschen.

Worüber würdest du gerne reden, was würdest du gerne gefragt werden, wonach ich nicht gefragt habe?
Ich bedanke mich hier nur für das Interview und wünsche noch viel Erfolg mit Maclites.

Herzlichen Dank! Das war Andreas “Zettt” Zeitler, Screen- und Podcast-Allrounder.

Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview.

Aktualisiert am 18/11/2011

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