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[Interview] Gute Grammatik und Zeichensetzung sind wichtig, Daniel Schneider

“Gute Grammatik und Zeichensetzung sind wichtig”, sagt Daniel Schneider. Auf der Suche nach neuen Interviewgästen bin ich über das Korrektorat Fehler-haft gestolpert. Was Daniel zu erzählen hatte, erfährst Du im Interview.

Bild: Korrektorat Fehler-haft.de von Daniel Schneider

Du betreibst auf Fehler-haft.de ein Korrektorat. Magst Du außerdem etwas von Dir verraten, Daniel?
Ich betreibe fehler-haft.de, ein Korrektorat, und biete Korrekturen an. Auch privat habe ich ein durch und durch aufregendes Leben mit den typischen Draufgänger-Hobbys (Lesen, Radfahren, Musikhören).

Welche Fehler musst Du in Dokumenten, die Dir zugeschickt werden, besonders häufig korrigieren?
Das dürften wohl die Komma-/Interpunktionsfehler sein. Obwohl es sich dabei meist gar nicht um “echte” Fehler handelt, besteht in diesem Bereich dennoch oft Optimierungsbedarf. Seit der Rechtschreibreform kann man zwar weniger “offiziell falsch” machen, aber mir ist selten ein Text untergekommen, den man nicht noch durch geschicktere Kommasetzung verbessern konnte.

Gibt es Tipps & Tricks, falsch gesetzte Kommas zu vermeiden – auch für Leute ohne Germanistik-Studium?
Das ist ein schwieriges Thema, denn einerseits werden im Deutschen Kommas nicht nach Betonung, sondern nach grammatikalischem Aufbau gesetzt (das heißt, man muss mit der Grammatik per du sein, um die Kommaregeln richtig anwenden zu können), andererseits gelingt Kommasetzung in der Praxis oftmals besser, wenn man sein Sprachgefühl (welches man wiederum nicht aus Wörter- und Grammatikbüchern bekommt) nicht komplett an der Garderobe abgibt. Allgemeingültige Tipps oder gar Eselsbrücken zur Kommasetzung gibt es praktisch nicht, dazu ist die Interpunktion zu komplex. Der pragmatischste Tipp dürfte daher sein: lesen, lesen, lesen – und der beschwerlichere: Grammatik und Kommaregeln auswendig lernen. Eine kleine Kontrolle kann man aber immer selbst durchführen, wenn man sich die Funktion von Kommas verdeutlicht: sie sollen uns ja nicht das Leben schwerer machen, sondern einen Satz strukturieren, damit er besser lesbar wird (d.h., richtig betont wird). Das führt dazu, dass man gewöhnlich bei Kommas eine winzigkleine Atempause im Satz macht. Wenn man also seine Texte nochmal laut liest und bewusst auf diese kleinen Aussetzer achtet, fällt oft schon auf, wo ein Komma fehlt oder besser keines hingehört.

Gibt es Bücher oder andere hilfreiche Quellen, die Du Journalisten, Bloggern und Autoren empfehlen kannst – Standardwerke?
Auch nach Fall des “Dudenmonopols” ist der Duden nach wie vor eine beliebte Anlaufstelle, aber es muss natürlich nicht dieses Werk sein, jedes Wörterbuch ist besser als kein Wörterbuch, wenn man professionell schreiben und auf Fehlerfreiheit achten möchte. Daneben findet man natürlich auch im Netz eine ganze Menge Hilfreiches. Ich und auch viele Kollegen bieten Wörterlisten, Schreibtipps oder praktische Textsammlungen an.

Kümmerst Du Dich neben Grammatik und Interpunktion auch um den Schreibstil deiner Kunden?
Selbstverständlich, je nach Art des zu korrigierenden/lektorierenden Textes geht es auch um Stilfragen. Man muss dabei jedoch genau unterscheiden zwischen stilistischen Fehlern und dem Schreibstil an sich. Man kann eigentlich keinen Text korrigieren, ohne auch auf den Stil zu achten; das Ausbessern kleinerer, typischer Stilfehler gehört zu einer normalen Korrektur dazu (ich nenne es immer “kleines Lektorat”). Was jedoch nicht geht, ist, dass man Kunden den eigenen Schreibstil aufzwingt – jeder Schreibende hat seinen persönlichen, individuellen Stil, den man zu respektieren hat und nicht “überschreiben” darf. Das ist stets eine Gratwanderung zwischen gutem Stil und der ursprünglichen “Seele” eines Textes.

Eine Lehrerin hat Ihrem Schüler einen Tipp gegeben. Kurze Sätze schreiben, um Kommafehler zu vermeiden. Was denkst Du über solche Tipps?
Das ist eigentlich ein gewitzter Rat, der im Ergebnis jedoch dazu führt, dass man sich in seiner sprachlichen Ausdrucksausweise selbst drastisch beschränken würde. Seinen Schreibstil zu verstümmeln, um Kommasetzung zu vermeiden, wäre in etwa, als würde sich ein Hinkender in den Rollstuhl setzten, damit man seinen Gehfehler nicht bemerkt. Weitergedacht hieße es, dass man am besten gar nicht erst schreiben lernt, um keine Fehler machen zu müssen.

Es handelt sich nicht um “echte” Fehler. Dank der Rechtschreibreform kann weniger “offiziell falsch” gemacht werden. Beides Aussagen von Dir über die Interpunktions-Regeln. Magst Du das genauer begründen?
Die Rechtschreibregeln sind mit der letzten großen Reform liberaler geworden, das heißt, man hat heute größere Freiheiten bei der Kommasetzung bei dennoch regelkonformer Schreibweise. An Stellen, an denen früher Kommas zwingend gesetzt werden mussten, ist es heute teils freigestellt, der Schreibende kann sich also bisweilen aussuchen, ob ihm ein Komma nützlich erscheint oder nicht. Dadurch kann man Kommas weglassen oder hinzufügen, ohne dass ein Satz “falsch” wird – dennoch ist es in der Regel sinnvoller, mehr Kommas zu setzen als weniger.

In der dritten Antwort wendest Du oft “man” an. Kommunikations-Designer und Lehrer werten das oft als schlechten Stil. Haben die Recht und wie würde Deine Gegenargumentation aussehen?
Ich sehe darin keinen schlechten Stil, sondern eine passable Möglichkeit, Dinge allgemein gehaltener zu formulieren. Natürlich sollte man z.B. nicht “man” sagen, wenn man eigentlich “ich” oder “du” meint (ich nehme an, darauf bezieht sich dieser manchmal gehörte Rat, “man” zu vermeiden), in anspruchsvolleren Texten hat es in der Tat auch wenig zu suchen, doch in der Alltagssprache ist es in Ordnung. Wenn allerdings sprachliche Präzision erforderlich ist, wäre es ebenso verfehlt. Doch “man” generell zu umschreiben, würde auf Dauer gekünstelt bis krampfhaft wirken (etwa: Wenn man/Schreibende versuchen würde/-n…; Natürlich sollte man/ein jeder…; wenn man eigentlich ich meint/wenn eigentlich ich gemeint ist). Das klänge in einer gewöhnlichen Unterhaltung zu abgehoben.

Wie erklärst Du Kindern die Interpunktions-Regeln – Ab welchem Alter ist das überhaupt sinnvoll?
Das kann ich nicht beantworten, da ich weder Lehrer bin noch jemals Kinder unterrichtet habe. Bei den ganz Kleinen würde ich bei der Frage, was das ist, wohl sagen: Satzzeichen sind wie die Pfosten an einem Zaun; sie sorgen dafür, dass ein aufgeschriebener Satz stabil wird und nicht wackelig in der Gegend herumsteht.

Du erwähnst Wörterlisten, Schreibtipps und praktische Textsammlungen. Gibt es frei verfügbare und verweisfähige Beispiele, oder sind die nur käuflich erwerbbar?
Meine eigenen (www.fehler-haft.de/wissen.html) und auch viele weitere Angebote sind kostenlos zugänglich, ich habe allerdings auch schon kostenpflichtige Angebote gesehen.

Wie kam es zu deiner Selbständigkeit und zu dem Schritt ins Internet?
Es hört sich vielleicht etwas schräg an, aber ich habe – neben dem Schreiben – Rechtschreibung seit jeher als Hobby gesehen und mich für Sprache, guten Stil und Ausdruck interessiert. Insbesondere während des Studiums ist mir dann aufgefallen, dass selbst viele Akademiker arge Probleme mit der Rechtschreibung haben. Da hat es dann “klick” gemacht und ich habe mich gefragt, weshalb ich Korrigieren nicht auch beruflich betreibe, anstatt nur privat meinen Mitmenschen mit gutgemeinten Verbesserungsvorschlägen auf die Nerven zu gehen. Zur Professionalisierung war es dann nur noch ein kleiner Schritt und so bin ich mit Fehler-Haft.de an den Start gegangen. Im Internet war ich somit also von Anfang an, das Korrektorat Fehler-Haft gab es nie als reine “Offline-Version”.

Gibt es empfehlenswerte Podcasts und Netzprojekte, die Du gerne besuchst?
Unter den Podcasts bin ich irgendwann einmal beim Foxpod hängengeblieben, der in amüsant erzählten Geschichten über das Leben und Arbeiten – und die damit verbundenen kulturellen Stolpersteine – in der Ukraine berichtete. Ansonsten bin ich Fan des WDR-Zeitzeichens. Einzelne Netzprojekte hervorzuheben finde ich schon schwieriger, unter meinen Lesezeichen findet man ganz oben eher die klassischen Zeitungsportale. Im Feedreader habe ich neben den üblichen Verdächtigen z.B. fernsehkritik.tv, englishrussia.com, “Behindertenparkplatz”,
Andrea Diener oder “USA erklärt”.

Was fasziniert Dich an Deinem Beruf?
Ich weiß nicht, ob Faszination das richtige Wort ist, doch ich arbeite gerne mit Texten und freue mich, wenn ich etwas zur Verbesserung anderer Leute Arbeit beitragen kann. Jedes Dokument und jeder Auftrag ist wieder etwas Neues, jeder Verfasser hat seinen eigenen Stil, darin liegt der Reiz beim Korrigieren. Faszinierend ist sicherlich, dass das Internet meine Arbeit in dieser Form erst ermöglicht, dass es heute gang und gäbe ist, unkompliziert quer über den Globus an Projekten und Dokumenten zu feilen, mit Kunden aus allen Ecken Deutschlands, aus ganz Europa, Asien und Übersee zusammenarbeiten zu können.

Welche Aufträge nimmst Du am liebsten an, gibt es Aufträge, die Du ablehnen würdest und wie bist Du zu erreichen?
Ich würde nicht sagen, dass ich besondere Vorlieben habe, ich kann nicht behaupten, dass ich dieses lieber oder jenes weniger gern korrigiere, jeder Text ist willkommen. Wenn ich Aufträge ablehnen musste, dann bisher nur aus Zeitgründen. Erreichbar bin ich via Briefpost, Fax, Telefon, SMS – und als vorwiegend im Netz tätiges Korrektorat natürlich per E-Mail, Chat (diverse Instant-Messenger), Skype, Kontaktformular und auch über das Forum.

Worüber würdest Du gerne noch etwas sagen, wonach ich aber nicht gefragt habe?
In Frage 2 hinter “werden”, in Frage 3 hinter “Tricks”, in Frage 12 hinter “Netzprojekte” und in Frage 14 hinter “es Aufträge” könnte noch ein Komma gesetzt werden. ;-)

Das war Daniel Schneider vom Korrektorat Fehler-Haft. Danke!

Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Schau regelmäßig nach neuen Interviewgästen von Maclites und verfolge das Maclites Magazin über:

Aktualisiert am 19/11/2011

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