[Interview] “Gutes Webdesign ist gute Kommunikation”: Andreas Kalt, Textpattern-Nutzer. Macuser.
Wie über soviele Netzprojekte, bin ich auch auf die Website von Andreas Kalt gestossen. Auf der Suche nach Informationen zu dem CMS Textpattern. Da ich schon immer neugierig auf die Menschen hinter hilfreichen Projekten war, fragte ich Andreas ob er Lust hat ein paar Fragen zu beantworten. Viel Spaß mit den Antworten von Andreas Kalt.
Bild zeigt rete-mirabile.net von Andreas Kalt.
Du bist der Macher hinter andreas-kalt.de und rete-mirabile.net. Magst Du Dich den Besuchern vom Web-Magazin Maclites vorstellen, Andreas?
Mein Name ist Andreas Kalt, ich bin Lehrer für Englisch, Biologie, Geographie sowie Naturwissenschaft und Technik und Medien an einem Gymnasium in Baden-Württemberg.
Ich interessiere mich für Webdesign und betreibe unter anderem ein Blog zu Schul- und Bildungsthemen unter rete-mirabile.net sowie eine Website mit eher privater Ausrichtung unter andreas-kalt.de.
Du setzt in Deinen Projekten Textpattern ein. Was ist für Dich das Besondere am Content-Management-System Textpattern?
Inzwischen habe ich so intensiv mit Textpattern gearbeitet, dass ich eine Menge Funktionen schätzen gelernt habe. Aber die wichtigsten Argumente für Textpattern sind für mich
- Die klar strukturierte Admin-Benutzeroberfläche ohne “Schnick-Schnack”,
- die eingebaute Kurzschreib-Syntax “Textile”, mit der man mit wenigen Abkürzungen seine Text klar und semantisch korrekt strukturieren kann,
- die Tatsache, dass Textpattern von Grund auf standard-konformes (X)HTML-Markup erzeugt.
Textpattern hat eine relativ hohe Einstiegshürde. Gibt es gute Dokumentationen die Einsteiger an die Hand nimmt und verständlich in Textpattern einführt?
Ich habe selbst versucht, einige grundlegende Anleitungen zu verfassen, die aber keineswegs einen vollständigen Einstieg darstellen. Darüber hinaus habe ich bei delicious einige Tutorials gesammelt.
Grundsätzlich erfordert Textpattern in der Tat etwas Einarbeitung. Es gibt aber eine sehr freundliche und hilfsbereite Community, die bei allen Fragen gerne hilft. Wenn man erst mal verstanden hat, wie Textpattern funktioniert, kann man damit sehr flexibel arbeiten. Ich habe bisher alle Gestaltungsaufgaben bewältigen können.
Was hälst Du von WordPress, Expression Engine und Drupal?
Von den Genannten kenne ich nur WordPress aus eigener Benutzung – und das nur recht oberflächlich.
WordPress benutze ich gerade in Form eines Accounts bei wordpress.com, weil ich mit einigen Schülern ein Blogprojekt gestartet habe. Den Schülern habe ich wordpress.com als Blogplattform empfohlen, damit sie sich zunächst nicht um die technischen Details eines Hosters, einer eigenen Installation etc. kümmern müssen. Im Zuge dessen habe ich selbst ein Blog dort gestartet, um die Software aus eigener Anschauung kennen zu lernen.
Ich bin recht zufrieden damit, finde die Benutzerobefläche allerdings teilweise etwas unübersichtlich und umständlich. Das mag aber daran liegen, dass ich seit mehreren Jahren ausschließlich mit Textpattern gearbeitet habe.
Allerdings kann diese Beurteilung natürlich nur eingeschränkt gelten, weil man bei wordpress.com ja nur sehr wenige Möglichkeiten der individuellen Anpassung hat. Eine eigene WordPress-Installation hatte ich nur einige Monate lang – vor etwa sechs Jahren. Seither hat sich WordPress stark verändert und ich hab eine Menge dazugelernt, so dass die Eindrücke von damals kaum aussagekräftig sind.
Welche Seiten besuchst Du sehr gerne und warum?
Das ist schwierig einzugrenzen, weil ich sehr viel im Netz unterwegs bin und dabei viele Anlaufstellen (bzw. sehr viele Sites im RSS-Reader abonniert) habe.
Vor allem lese ich viele Lehrerblogs. Diese kann man in meiner Blogroll auf rete-mirabile.net finden.
Wenn ich darüber hinaus einige wenige herausgreifen soll, dann Folgende:
- ted.com: Tolle Vorträge von inspirierenden Leuten. Leider fehlt mir inzwischen die Zeit, regelmäßig einfach nur zu stöbern.
- daringfireball.net: Das Blog von John Gruber über Technologie Themen mit Schwerpunkt Apple. Gruber schreibt klar und präzise, sehr persönlich und fundiert. Auf seine Beiträge würde ich sehr ungern verzichten.
- paulgraham.com: Paul Graham schreibt tolle Essays. In letzter Zeit sind sie sehr stark auf Start-ups fokussiert, frühere waren in ihrem Themenspektrum etwas breiter. Meine Favoriten sind u.a. What you can’t say, Writing, Briefly und What you’ll wish you’d known. Grahams Schreibstil ist sehr simpel und umgangssprachlich – was für einen deutschen Leser zunächst ungewohnt ist, denn man ist ja hier gewohnt, dass Gehaltvolles in eher “schwerer” Sprache daherkommt. Graham drückt interessante und tiefgründige Ideen in sehr simpler Sprache aus – das gefällt mir.
- netzpolitik.org: Stillt mein Interesse am Themenfeld “Web, Politik, Gemeinwesen” etc.
Wie sieht es bei Textpattern mit Pings und Trackbacks aus, wird ein Plugin angeboten oder von Textpattern selbst als Kern-Funktion?
Kernfunktion sind beide nicht. Über entsprechende Plugins bin ich nicht informiert, weil mir diese Funktionen nicht sehr wichtig sind und ich sie daher auf meinen Sites nicht implementiert habe. Seit einiger Zeit nutze ich den Disqus-Kommentarverwaltungsdienst.
Was für Hardware steht bei Dir zuhause herum und warum? Nach der Hardware in der Schule frag ich besser nicht, was man so hört ist das sicher ein Trauerspiel. :-)
Ich benutze ein 13” MacBook Pro, das sowohl mein Heimrechner als auch mein täglicher Begleiter in der Schule ist. Zu Hause ergänzt durch einen externen Monitor samt Tastatur und Maus. Weiterhin wichtig sind zwei externe Festplatten, die jeweils ein komplettes, tägliches Backup der Platte im MacBook Pro beherbergen.
Außerdem ist seit einiger Zeit ein Fujitsu ScanSnap 1500 M Teil meines digitalen Workflows, um Papierdokumente schnell und problemlos digitalisieren zu können.
Was finden ich und meine Leser auf rete-mirabile und andreas-kalt, welche Beiträge oder Artikel würdest Du jemanden empfehlen, wenn Du mitkriegen würdest das er Deine Websites zum ersten Mal besucht?
andreas-kalt.de ist die Website, die ich gestartet habe, weil ich Webdesign lernen wollte, entsprechend bunt ist die Zusammenstellung: dort findet sich alles, was ich von meinen Interessengebieten vor einigen Jahren für wert hielt, veröffentlicht zu werden. Buchtipps, Fotos, auch eine Sammlung von Englisch-Vokabeln und Webdesign Tutorials. Dazu ein Blog, das inzwischen ziemlich eingeschlafen ist, weil sich meine Interessenschwerpunkte verschoben und meine verfügbare
Freizeit reduziert hat.
Meine Hauptaktivität im Netz findet auf rete-mirabile.net statt. Die Seite startete als Materialsammlung und ist inzwischen zum Lehrerblog geworden, das heißt, ich veröffentliche weniger fertiges Material und mehr Gedanken und Ideen (was ich langfristig für sinvoller halte, weil Unterrichtsmaterial sehr punktuell ist, Ideen aber sehr breite Wirkung zeigen können).
Auf andreas-kalt.de würde ich einige Buchtipps hervorheben: Besonders The Seven Habits of Highly Effective People und “Guns, Germs, and Steel” sind sehr zu empfehlen. Außerdem sind vielleicht die Webdesign-Tutorials und Textpattern-Tutorials von Interesse. Die Fotos (momentan nur bei flickr zu sehen) können dazwischen vielleicht eine nette Ablenkung sein.
Auf rete-mirable.net würde ich besonders auf eine Essay-Reihe hinweisen, die ich vor einiger Zeit geschrieben habe: “Getting Real in der Schule“. Hier habe ich versucht, einige Ansätze aus dem 37signals Buch “Getting Real” auf den Schul- und Unterrichtsalltag zu übertragen.
Außerdem stelle ich in der Reihe “Mac + Schule” einige meiner digitalen Helfer auf dem Mac vor.
Ansonsten hoffe ich, dass vor allem in der Rubrik “Essay” einige für den Leser interessante Beiträge zu finden sind.
Kannst Du etwas zum Apple-Tablet, dem iPad sagen und wenn nicht etwas zu Deinem Lieblings-Gadget?
Zum iPad kann ich selbst wenig sagen, außer, dass ich sehr gespannt
bin, wie sich dieses Produkt noch entwickeln wird. Ich habe hier mal
einige – wie ich finde – interessante Artikel dazu gesammelt: iPad-Artikel.
Mein “Lieblings-Gadget”, auch wenn ich das nicht so nennen würde, ist mein iPhone, weil es ein universelles Werkzeug im digitalen Alltag ist: Aufgabenverwaltung, Notizen, Noten- und Schülervewaltung, Termine, Adressen, Wörterbücher und Nachschlagewerke, Stundenplan, “Bibliothek”, Wettervorhersage, Fahrplan, Kamera, Bestimmungsbuch, Stoppuhr, spielerische Ablenkung und vieles mehr. Ich würde inzwischen ungern darauf verzichten.
Was versteht Andreas Kalt unter gutem Webdesign, Usability, Barrierfreiheit und wie würdest Du diese Begriffe Deinen Schülern erklären?
Gutes Webdesign ist für mich gute Kommunikation: das Vermitteln von relevantem Wissen im jeweils sinnvollen Kontext. Insofern sind Usability und Barrierefreiheit eng damit verknüpft, denn ich finde, dass gutes Design sich in der möglichst barrierefreien oder barrierearmen Benutzbarkeit des designten Objekts äußert.
Insofern gibt es auch viele Querverbindungen zwischen Webdesign und meinem Beruf als Lehrer: in beiden Kontexten versuche ich, relevantes Wissen möglichst effektiv zu vermitteln bzw. die eigenständige Erarbeitung von Wissen möglichst gut in Gang zu bringen und zum Erfolg zu führen. In beiden Kontexten muss man sich in den Adressaten gut hineinversetzen und sich ständig fragen, welche (Lern)Schritte die Lernenden/Websitebenutzer zuvor getätigt haben und welche weiteren Schritte von hier aus sinnvoll sind.
Meinen Schülern erkläre ich diese Begriffe in der genannten Form nicht, denn für Webdesign bleibt im Medienunterricht leider keine Zeit. Die Begriffe kommen aber z.B. beim Erarbeiten sinnvoller Präsentationen zur Anwendung, außerdem beim Reflektieren über Lernmaterialien oder über Informationen aus dem Netz. Dabei werden die Konzepte angesprochen, ohne jedoch als “Usability” etc. benannt zu werden.
Etwas direkter sind diese Themen Teil einer Fortbildung “Erfolgreiche Schulwebsite”, die ich vor einiger Zeit mal gegeben habe.
Wie lange arbeitest Du mit Mac + iPhone und wieso hast Du Dich trotz der restriktiven Plattform für Apple entschieden?
Ich arbeite seit 2006 mit dem Mac und seit knapp einem Jahr mit dem iPhone.
Den Mac sehe ich nicht als restriktive Plattform, das iPhone ist es natürlich schon. Das hat mich persönlich bisher nicht eingeschränkt, weil ich in dem Bereich nichts selbst entwickeln, programmieren oder “hacken” möchte.
Wichtig war mir eine sehr gute Usability, eine möglichst enge und reibungslose Integration mit dem Mac (Adressbuch, Kalender, etc.) und ein System, um das ich mich nicht kümmern muss. Das alles liefert das iPhone.
Vom philosophischen Standpunkt aus fände ich es besser, das iPhone wäre eine offene, allgemein zugängliche Plattform. Das ist mir aber nicht so wichtig, dass ich das Produkt meiden würde, weil es das nicht ist.
Was denkst Du über Open Source und Linux?
Ich habe keine Erfahrung mit Linux und Open Source als Philosophie ist mir ebenfalls nur oberflächlich geläufig. Ich benutze natürlich Open Source Software (z.B. Textpattern, hin und wieder OpenOffice und sehr regelmäßig Moodle). Ich finde die dahinter stehende Idee (oder das, was ich oberflächlich darüber weiß) sinnvoll. Um das wirklich zu bewerten, fehlt mir aber das Wissen darüber.
Welche Programme für Mac nutzt Du sehr häufig und kannst Du empfehlen?
Notebook ist für die Unterrichtsplanung und -dokumentation im täglichen Einsatz.
Außerdem benutze ich DevonThink Pro Office die Grundlage meiner Materialverwaltung. Das Programm ist sehr mächtig und erfordert etwas Einarbeitung. Aber bisher habe ich nichts Bessere gefunden, wenn es darum geht, große Mengen von Texten so zu verwalten, dass man im entscheidenden Moment findet, was man sucht. DevonThink benutzt künstliche Intelligenz, um die Texte inhaltliche zu analysieren und schlägt bei neuen Texten vor, wo diese am besten eingeordnet werden sollten. Das erleichtert das Sammeln von Unterrichtsmaterial im Netz enorm, denn oft passt z.B. ein Zeitungsartikel zu mehreren Themen. Mit DevonThink sehe ich das sofort und kann ihn auch problemlos in mehrere Ordner einsortieren, ohne die Datei duplizieren zu müssen.
Beim täglichen Schreiben hilft mir TextExpander, viel Tipperei zu sparen.
Ein kleines, aber feines Tool ist JustNotes, mit dem ich meine Notizen mit Simplenote für das iPhone zu synchronisieren.
Programme für die Schule stelle ich in einer Serie auf rete-mirabile.net vor:.
Was gefällt Dir an Apple und den Produkten gar nicht?
Ich mag zum Beispiel nicht, dass Apple so eine große Firma ist, dass der direkte Kundenkontakt praktisch fehlt.
Wenn mir z.B. ein Problem in “TimeMachine” auffällt oder ich einen Verbesserungsvorschlag für “Keynote” habe, kann ich den zwar irgendwohin mailen, bekomme aber keine Antwort und kann nicht sagen, ob das überhaupt jemand gelesen hat.
Bei kleineren Software-Entwicklern kann ich mich direkt an den Entwickler wenden und bekomme in der Regel innerhalb kurzer Zeit eine Rückmeldung.
Worüber würdest Du gerne noch sprechen, wonach ich aber nicht gefragt habe?
Ich fand die Unterhaltung sehr umfassend und anregend und habe gerade keine offenen Themen mehr.
Das war Andreas Kalt. Herzlichen Dank!
Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Schau regelmäßig nach neuen Interviewgästen von Maclites und verfolge das Maclites Magazin über:
Aktualisiert am 19/11/2011
Tags: content-management-systeme, Kommunikation, macuser, Webdesign