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[Interview] Linux und Open Source Podcast “Deimhart”: Publizist und Webworker Roman Hanhart

Die Podcast-Szene ist auch in der Schweiz aktiv. Fans von Linux und Open Source, kommen am Podcast Deimhart nicht vorbei. Roman und Dirk haben kurz nach meiner Anfrage, dem Interview zugestimmt und mir einige Fragen beantwortet. Viel Spaß mit dem “hart” von Deimhart und dem zweiteiligen Interview auf Maclites.

Bild zeigt ubuntublog.ch von Roman Hanhart

Dirk und Roman, Ihr seid Schweizer, Linux-User, Podcaster und Freunde von Open Source. Was mögt Ihr, noch, über Euch preisgeben?
Ich bin gelernter Zimmermann, in Deutschland heisst das glaube ich Zimmerer. Erst im Jahre 1996 schwenkte ich über zur Informatik über und wählte den zweiten Bildungsweg für die Ausbildung. Ich lebe mit meiner Familie in Andelfingen, das liegt zwischen Winterthur und Schaffhausen; in der Nähe zu Zürich. Beruflich arbeite ich als Senior System Engineer in einem kleinen Regionalspital und bin dort für die Sicherheit und das Netzwerk sowie für einige Linux- und Windowsserver zuständig.

Nebenher lese ich sehr gerne, liebe die Ruhe und mag die Natur. Die meiste Freizeit verbringe ich mit unserem Sohn Ruben Noah, der im August eingeschult wird.

Ich persönlich habe in den letzten 5 jahren, oder sogar noch länger, das Thema Linux nicht mehr sehr verfolgt. Ich habe zwar mit Linux experimentiert aber damals gehörte SuSE noch nicht zu Novell und hatte noch niedrige einstellige Versionsnummern. Wie hat sich Linux in den letzten Jahren entwickelt und welche Meilensteine wurden durch Nachrichten der letzten jahre nicht deutlich genug hervorgehoben?
Linux wurde aus meiner Sicht während den letzten Jahren deutlich benutzerfreundlicher. Vor allem die grafischen Schnittstellen (GUI) sind mittlerweile sehr einfach und intuitiv zu bedienen. In diesem Bereich hat sich vor allem Canonical mit ihrem Ubuntu stark gemacht. Diese Distribution und deren Derivate sind meist sehr einfach zu installieren und zu benutzen. Der Linux-Kernel unterstützt auch moderne Hardware, wenn oft auch (noch) nicht die Allerneueste.

Linux wird oft noch als das “Hacker-Betriebssystem” angesehen. Die Meinung, dass es dazu ein hohes Mass an Fachwissen bräuchte, um ein Linux zu betreiben, herrscht in vielen Kreisen noch immer vor. Es ist aber in meinen Augen eine Frage der Zeit, bis überall durchgesickert ist, dass sich Linux heute oft einfacher als ein Windows nutzen lässt.

Wie würdet Ihr, Einsteigern und Kindern, Open Source erklären?
OpenSource sind Computerprogramme, die jeder ohne Einschränkungen benutzen dürfen. Man darf diese Programme seinen Freunden weitergeben, ohne dass man etwas tut, das verboten wäre. Ausserdem kann jeder, der eine gute Idee hat, um das Programm zu verbessern, sich daran beteiligen und seine Verbesserungen einbauen. Wer will, kann auch in das Programm hineinschauen und lernen, wie es funktioniert. OpenSource-Software gehört sozusagen allen, die es brauchen und verbessern möchten. Niemand Einzelner ist der Chef dieses Programms, sondern alle zusammen sind es.

Erklärt man das so einem Kind, ist es es zunächst erstaunt, dass dies nicht der Standard ist. Weshalb gehören Programme, die ja fast alle brauchen, nicht Allen? Weshalb nimmt jemand dieses Programm einfach für sich und befiehlt, wer was damit tun darf und wer nicht? Absolut gerechtfertigte Fragen, wie ich finde.

Wie würdet Ihr Linux-Distributionen erklären und welche nutzt Ihr persönlich am liebsten und warum?Linux besten im Wesentliche aus einem Kernel, den Systemprogrammen und den Anwendungen. Der Kernel verwaltet die Hardware, bietet Ein- und Ausgabe an und verwaltet die Systemressourcen. Ausserdem leitet er bestimmte Aufgaben an andere Programme weiter. Die Systemprogramme werden benutzt, um das System zu warten und zu pflegen. Und die Anwendungen schliesslich bieten dem Benutzer die Möglichkeit, mit dem Computer sinnvolle (oder auch sinnfreie) Aufgaben zu erledigen. All diese Gruppen werden heute nicht lose oder voneinander getrennt angeboten, sondern werden zusammengefasst in einer Distribution. Je nach Aufgabengebiet werden verschiedene Programme oder Benutzeroberflächen zu einer Distribution zusammengefasst.

Ich nutze seit etwa vier Jahren Ubuntu und teste sehr gerne auch andere Distributionen. Ubuntu ist für mich die beste Umsetzung, damit ein Linux einfach und schnell installiert und benutzt werden kann. Ausserdem finde ich, dass die deutschsprachige Ubuntu-Community die beste weit und breit ist. Sie ist nicht nur kompetent, sondern auch nahe, menschlich und freundlich.

Wie kam es zu dem Podcastprojekt Deimhart.net? Welche Technik, Hardware und Software nutzt Ihr um den Podcast Deimhart zu produzieren?
Dirk hatte einst die Idee, dass wir zusammen einen Podcast erzeugen könnten. Wir kannten uns damals kaum, wussten aber, dass wir ähnlich ticken und dass und in vielen Dingen die gleichen Sachen wichtig sind. Ausserdem waren wir damals schon beide begeisterte Ubuntu-Leute. Und so haben wir einfach damit angefangen, einen Namen gesucht, das Blog dazu eröffnet und legten los. Das Ganze macht sehr grossen Spass.

Ich selbst nutzte ein Zoom H4, um die Folgen aufzuzeichnen. Danach kopiere ich die Rohdaten auf meinen Lenovo R61 und schneide dort mit audacity die Sendung zurecht. Um den Export zu machen, nutze ich nebst audacity noch den soundconverter und für das Taggen das Paket easytag.

Ich habe seit einigen Tagen den Browser Google Chrome im Test. Habt ihr den Browser von Google schon getestet und Euch eine Meinung über Chrome gebildet?
Ich nutze Google Chrome selbst nicht, aber den “Vater” namens Chromium, der auch zur Hauptsache von Google entwickelt wurde und ebenso das WebKit und die Java-Engine V8 nutzt. Im Grunde ist es fast das Gleiche wie Google Chrome. Aber Chromium ist ein OpenSource-Projekt, während Chrome von Google selbst kompiliert und paketetiert wird. Chrome wird aus dem OpenSource-Projekt Chromium gezogen und anders lizenziert. Google Chrome ist bloss Freeware und nicht quelloffen, Chromium ist dagegen frei.

Chromium erlebe ich als einen flinken und schlanken Browser, den ich gerne auf etwas schwächerer Hardware einsetze. Was mir dazu noch fehlt, sind einige Erweiterungen wie Werbeblocker (es gibt welche, die funktionieren aber nicht richtig) und solche, mit denen sich Lesezeichen besser verwalten lassen. Ansonsten ist der Browser sehr schnell und vor allem leicht.

Google ist nicht (mehr) mein Freund und deshalb geniesse ich alles, was von diesem Unternehmen kommt, mit grosser Vorsicht. In diesem Fall scheint die Sache aber in Ordnung zu sein.

Welchen Browser mögt Ihr und nutzt Ihr am meisten? Wieso fiel die Entscheidung gerade auf den / die Browser?
Am häufigsten nutze ich den Firefox, weil sich der am besten in Ubuntu einbettet. Er ist auch der Standard-Browser unter Ubuntu und auch bei einigen weiteren Distributionen. Zur Zeit ist das die Version 3.5.8, die aus den offiziellen Quellen von Ubuntu kommt. Der Firefox lässt sich mit Erweiterungen fast unendlich ausweiten, zum Teil auch durch sinnfreie Addons. Ich erachte den Feuerfuchs als stabil, teilweise etwas träge, aber intuitiv und leicht zu bedienen. Und ausserdem ist Firefox frei.

Etwas Ahnung von Hardware habt Ihr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Wie wichtig ist das Upgrade der Prozessoren von Core 2 Duo auf die Nehalem-Architektur? Könnt und mögt Ihr kurz den Unterschied erklären?
Uff! Von Nehalem weiss ich bloss, dass es von Intel stammt und die Core-Architektur ablösen soll. Die Vorteile lägen darin, dass der Prozessor direkt mit einer integrierten Intelligenz den Speicher kontrollieren würde und eine schnellere Verbindung zum Chipsatz bestünde. Ausserdem würde das Threading verbessert, so dass die einzelnen Prozesse besser miteinander kommunizieren könnten. Mehr kann ich dazu nicht sagen, ohne dass ich spicken müsste.

Ich selbst tausche niemals Hardware-Bestandteile aus, höchstens eine Erweiterung des flüchtigen Speichers mute ich mir zu. In der Regel kaufe ich Hardware und nutze sie bis ich sie ersetze. Im Geschäft kommt es manchmal vor, dass wir Prozessoren tauschen. Das ist aber die Ausnahme. Normalerweise wird die Hardware komplett ersetzt.

Dank Apples Kernel-Politik ist das Projekt Darwin mehr tot als lebendig. Wie kritisch seht Ihr Apple aus Sicht von Open Source, in diesem speziellen Fall und im Allgemeinen?
Darüber haben wir ja bei Deimhart in der 8. Ausgabe mit Martin Steiger gesprochen. Die OpenSource-Gemeinschaft (auf Apple fokussiert) gibt es noch immer, sie ist aber im Vergleich zu Windows und insbesondere zu Linux verhältnismässig klein. Im Bereich Apple ist eher Freeware als OpenSource anzutreffen. Die Quelle ist also nicht offen, bloss die Benutzung der Software ist kostenlos. Allerdings nicht auf Ewigkeit, das kann der Entwickler jederzeit ändern. Apple selbst engagiert sich übrigens deutlich mehr bei der Entwicklung von offener Software, als man gemeinhin annehmen würde. Als Beispiel dazu möchte ich Common Unix Printing System (CUPS) nennen.

Ich sehe Apple vor allem in Sachen Hardware kritisch entgegen. Die Software darauf, die teilweise auch sehr hermetisch abgeriegelt ist, ist eine Folge daraus. Ein iPhone ist wohl ein Stück Hardware mit Apple-Software, das am dichtesten verriegelt ist. Selbst der Akku lässt sich nicht ersetzen, man muss das Gerät zu diesem Zweck in das Werk schicken. Fremdsoftware gibt es schon gar nicht und wer Software dazu schreibt und sie verbreiten will, ist auf Gedeih und Verderb auf Apple angewiesen. Mich widert die Politik des Apple Stores richtig an.

Vor wenigen Jahren schrie Apple immer wieder, wie verschlossen und geldgierig Microsoft wäre. Inzwischen ist nach meinem Dafürhalten Apple deutlich schlimmer geworden. Ich habe nicht mehr viel übrig für dieses Unternehmen. Seltsam mutet mich auch immer wieder die Messias-Rolle von Steve Jobs an, wenn er neue Produkte vorstellt.

Android polarisiert und wird heiss diskutiert im Internet. Habt Ihr Euch Android schon angesehen und vielleicht eine Meinung dazu?
Ich nutze ein HTC Magic mit Android 1.5 drauf. Das Betriebssystem ist von Google entwickelt worden und wird mehr schlecht als recht gepflegt. Zwar gibt es immer wieder neue Versionen, aber die bestehenden werden
nicht oder kaum gewartet. Android ist ein etwas seltsames Linux, das man beispielsweise nicht an seiner Verzeichnisstruktur wiedererkennen kann. Die Verzeichnisse heissen ganz anders als üblicherweise bei einem GNU/Linux. Immerhin ist Android frei, die Entwicklung liegt aber schon aus finanziellen Gründen in den Händen von Google. Es sind zwar einige
Anstrengungen im Gange, um Google aus der Entwicklung zurückzudrängen, ich sehe darin aber wenig Chancen. Mir gefällt die Politik von Google in Sachen “Wartung der bestehenden Versionen” nicht. Deswegen werde ich wohl kein Android-Handy mehr kaufen.

Bedienen lässt sich das System sehr einfach und intuitiv. Es gibt im Android-Market weit über 15.000 Applikationen zu allen erdenklichen Aufgaben und zum Zeitvertreib. Die meisten davon sind kostenlos, einige wenige sind frei.

Bild zeigt Website vom Deimhart-Podcast

Welche Lizenz mögt Ihr, als Linuxuser, am liebsten: GPL, Creative Commons oder vielleicht eine ganz Andere und warum?
Am liebsten mag ich GPL in der aktuellen 3. Version, da sie am nächsten an meine Idealvorstellung kommt, was das Ausdehenen von Wissen betrifft. Sie schränkt nur sehr wenig ein, allerdings wurde GPL in der 3. Version sehr umfangreich. Ausserdem hat GPL schon einige Angriffe auf juristischer Ebene heil überstanden und wurde bestätigt.

Creative Commons halte ich nicht für so glücklich, mindestens nicht für Software. Sie kann nicht punktgenau festhalten, wo Kommerz beginnt. GPL kann das letzlich auch nicht, dort ist es aber weniger wichtig. Creative Commoms nutze ich eher bei Texten oder Bildern, bei Musik kommt sie auch häufig zum Zug.

Habt Ihr ein Auge auf die BSD-Szene?
Nur ganz wenig. Ab und an schaue ich mir eine OpenBSD oder FreeBSD an, installiere es als virtuelle Maschine. Wirklich nutzen tue ich aber kein BSD. Trotzdem gefällt mir die Kultur dahinter und die Art und Weise, wie mit Software umgegangen wird.

Dürfen wir uns noch lange auf Podcasts von Deimhart.net freuen, plant Ihr an, für Euch besonders aufregenden Themen?
Klar! Wir sind wohl noch eine gnaze Weile zu hören. Unsere Kadenz werden wir vermutlich etwas erhöhen, weil so viele Themen behandeln möchten. Allerdings nimmt das Podcasten ordentlich Zeit in Anspruch und wir müssen dazu den gesunden Mittelweg finden. Dirk und ich haben ja beide Familie und sollten unsere Zeit auch noch anderweitg nutzen.

Besondere Themen sehen wir beispielsweise bei der Veranstaltung FrOSCamp vom September 2010 in Zürich, wo wir wahrscheinlich ein Ubuntu-Stand betreuen werden: http://wiki.froscamp.org

Mögt und könnt Ihr etwas zu der Open Source Community in der Schweiz sagen?
Was mir dazu spontan einfällt, ist RoundCube, ein PHP-Webmailer, der hier entwickelt und gepflegt wird. Obschon die Software, die unter GPL steht, erst in der Version 0.3* bereitsteht, ist die Verbreitung schon recht hoch. Aber auch Archivista ist ein Stück Software aus der Eidgenossenschaft.

Die Szene rund um OSS in der Schweiz ist nicht so lebhaft und sichtbar wie in andern deutschsprachigen Ländern, aber das kann sich innert wenigen Jahren rasch ändern. Ich hoffe, dass die Aktivitäten und die Community rund um die OSS auch hier etwas sichtbarer werden.

Worüber würdet Ihr gerne noch etwas sagen, wonach ich aber nicht gefragt habe?
Die Gemeinschaft der freien und offenen Software, in der sich Wissen nicht nur in Form von Quellcode, sondern auch in andern Bereichen, wie Texte, Bilder, Musik und andere Schöpfungen frei ausdehen kann, macht Spass! Ich meine, dass der Respekt in jenen Gemeinschaften gelebt und ausgedrückt wird.

Das war Roman Hanhart das “hart” vom Podcast Deimhart. Herzlichen Dank! Übrigens ist Roman über identi.ca erreichbar.

Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Schau regelmäßig nach neuen Interviewgästen von Maclites und verfolge das Maclites Magazin über:

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Aktualisiert am 19/11/2011

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