Peer ist verheiratet hat zwei Töchter und wohnt im schönen Gräfenhainichen, in der Nähe von Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Obwohl der Tag nur 24 Stunden hat betreibt Peer Wandiger neben seiner Firma wandooweb die Blogs selbststaendig-im-netz.de und blogprojekt.de. Seine anderen Projekte kann er mangels Zeit leider nicht so pflegen wie er es sich wünschen würde. Netterweise hat Peer sich bereit erklärt mir für maclites.com einige Fragen zu beantworten.
Darf ich Dich Duzen oder möchtest du im Interview gesiezt und mit Herr Wandiger angesprochen werden?
Du ist schon in Ordnung. Sonst fühle ich mich noch älter, als ich eh schon bin. ;-)
Deine Frau akzeptiert das Du Dich ausgiebig mit Deinem Computer beschäftigst. Verbringst Du immernoch oft 14 Stunden vor Deinem Computer und nehmen deine Töchter auf Ihren vielbeschäftigten Papa Rücksicht?
Nachdem ich in der ersten Zeit meiner Selbständigkeit auch regelmäßig am Wochenende gearbeitet habe, konnte ich dies mittlerweile auf die 5 Wochentage beschränken. Aber auch unter der Woche nehme ich mir die Zeit für meine Familie und verbringe den Nachmittag und Abend mit meiner Frau und meinen Kindern. Dass ich danach dann nochmal ins Büro gehe,
welches idealerweise in meinen Haus ist, daran hat sich meine Frau gewöhnt. Es gibt halt eine Menge zu tun und ich bin noch nicht an dem Punkt, wo ich andere für mich arbeiten lassen kann. Und da meine Frau auch in einem Familienbetrieb arbeitet, versteht sie das. Meine Töchter nehmen insoweit Rücksicht, als dass sie Nachts schlafen und nicht ständig die Nacht zum Tag machen, wie es wohl bei anderen Kindern manchmal ist.
Trotz meiner 12-14 Stunden Tage sehe ich meine Kinder häufiger, als manch ein Montage-Arbeiter. Und darüber bin ich froh.
Was für einen Computer benutzt Du im Büro und privat?
Auch wenn ich meinen iPod Touch liebe und z.B. auch die neuen iMacs sehr ansprechend finde, benutze ich seit Ewigkeiten normale PCs. Dabei spielt die Marke nicht so eine große Rolle. Den letzten PC habe ich mir online konfiguriert und meinen Wünschen angepasst. Schließlich soll auch Photoshop und Co. ordentlich laufen. Ich hasse nichts mehr, als auch den Rechner zu warten. Deshalb gibt es auch spätestens alle 2 Jahre einen neuen Rechner. Anfang 2010 ist es mal wieder soweit.
Welches Betriebssystem nutzt Du und was denkst Du über den Glaubenskrieg zwischen Nutzern von Windows, Linux und Mac OS X?
Glaubenskriege sind immer Schwachsinn, ob bei Betriebssysteme oder anderen Dingen. Ich finde Linux spannend, Mac OS X vorbildlich und Windows kenne ich einfach in- und auswendig. Da ich seit Windows 3.1 dabei bin sehe ich auch nicht wirklich einen Grund umzusteigen. Ich kann alles machen was ich will und die Probleme sind bei SP3 von Windows XP minimal. In meinen Augen ist da die Kritik z.B. seitens Apple völlig übertrieben, aber das ist halt Business.
Wie siehst Du die Diskussion zwischen, mit und über Blogger und Journalisten?
Auch das sehe ich recht entspannt. Der Qualitäts-Journalismus ist ja nicht erst seit es Blogs gibt auf dem absteigenden Ast. Und Journalisten, die von Blogger, Twitter und aus der Wikipedia abschreiben, aber dann das Internet und seine Oberflächlichkeit verteufeln, kann ich nicht ernst nehmen. Das Web hat es einfach ermöglicht, dass “normale” Menschen Ihre Meinungen äußern können. Das bedeutet aber nicht, dass Journalisten überflüssig werden. Sie haben einfach nicht mehr das Informations-Monopol und das ist für das ein oder andere Ego nicht so gut. :-)
Vor kurzem hast Du die “Nullnummer” vom Blogprojekt Podcast herausgebracht und die Nächste Ausgabe ist schon angekündigt. Soweit ich weiss hörst Du seit 2006 Podcasts. Welche Podcasts würdest Du in Deine persönliche Top 5 wählen?
Da ich etwas länger für die Beantwortung des Interviews gebraucht habe, ist nun schon die erste reguläre Ausgabe des Podcasts erschienen. Ich bin damit sehr zufrieden, da es doch eine ganz andere Sache ist, zu reden, als zu schreiben. Aber der Podcast kommt gut an. Ich höre eine Menge Podcasts, sowohl zu Businessthemen als auch eher private. Meine Top 5 Podcasts sind derzeit:
Aber da befinden sich noch eine Menge mehr Podcast-Feeds in meinem Feedreader. :-)
Erzähl doch bitte etwas über Deine Firma wandooweb. Wann wurde die Firma gegründet und wer ist die Kernzielgruppe?
Ich habe BWL studiert und war dann ein jahr in Nürnberg, um mich in Richtung Online-Marketing zu spezialisieren. Danach habe ich 6 Jahre die Internet-Auftritte eines mittelständischen Unternehmens betreut. Nachdem die Firma aufgekauft wurde und die Hälfte der Belegschaft wegrationalisiert wurde, habe ich die Chance genutzt und mich selbständig gemacht. Das war Anfang 2006.
Da ich seit meiner Studienzeit Website programmiere und mir auch schon mein eigenes CMS gebaut hatte, wollte ich es als Webdesigner probieren. Das hat auch recht gut geklappt, auch wenn natürlich gerade in der ersten Zeit viele Dinge zu lernen waren.
Zielgruppe sind regionale Unternehmen. Ich bin eher ein Freund von vielen kleinen Kunden und dafür eine größere Zahl. Das macht die einzelnen Projekte übersichtlich und man ist nicht so abhängig von einem Kunden. Zudem erlaubt mir diese Ausrichtung, dass ich mich auch um eigene Projekte kümmere.
Du bietest einen Newsletter über blogprojekt.de an. Viele haben schon vor Jahren den Newsletter totgesagt und auch eingestellt. Spontan fällt mir drweb.de ein wenn ich mich recht entsinne. Warum gibts Du trotzdem einen (Traffic-)Newsletter heraus und was erhoffst Du Dir?
Es gibt eine Menge Newsletter da draußen, die auch sehr gut funktionieren. Man muss eben ein ganz bestimmtes Thema wählen und dafür dann die richtige Zielgruppe wählen. Dann hat man gute Chancen einen Newsletter-Verteiler zu Geld zu machen. Aber auch für andere Dinge, wie Online-Kurse eigenen sich eMails.
Ich lerne jeden Tag dazu und deshalb wollte ich auch auf Blogprojekt.de viel probieren. Und eine Sache war eben so ein Newsletter. Und bisher bin ich zufrieden. Rund 800 Abonnenten konnte ich bisher gewinnen und dabei habe ich noch nicht mal irgendwas kostenloses als Bonus angeboten. Aber das kommt noch. ;-)
Letzten Endes möchte ich durch den Newsletter aber natürlich auch Geld verdienen. Ob direkt (z.B. Affiliate Links im Newsletter) oder indirekt (Eigenwerbung für Seminare oder was auch immer) wird sich ergeben.
In den letzten Jahren wird ja immer mehr abgemahnt. Du bist ja schon einige Jahre mit eigenen Projekten aktiv. Wie siehst Du die Problematik und wurdest Du schonmal abgemahnt?
Komisch, dass mich da jeder drauf anspricht. Während es bei Online-Shops tatsächlich eine recht große Gefahr gibt, abgemahnt zu werden, halte ich diese Gefahr bei Blogs und normalen Websites doch für recht gering. Ich wurde bisher nicht abgemahnt und ich hoffe das bleibt so. Wer keine unbegründeten Behauptungen aufstellt, keine geklauten Bilder verwendet und seine Werbebanner auch so kennzeichnet, muss nicht viel befürchten. Ach ja, ein ordentliches Impressum schadet nicht.
Die Blogsoftware WordPress ist sehr verbreitet. Dadurch ist WordPress ein lohnendes Ziel für Hacker, Cracker und zwielichtige Gestalten. Auch die Updategeschwindigkeit ist sehr hoch und somit nicht gerade Freiberufler freundlich. Warum setzt Du trotzdem auf das “CMS” WordPress?
Das Update von WordPress geht mittlerweile in Minuten von der Hand. Das sollte kein Hindernis sein. Natürlich gibt es viele Hacker, aber die nutzen vor allem Lücken in alten Versionen aus. Und wer nicht updated, kann da schon mal das Nachsehen haben. Aber das ist bei Windows auch nicht anders.
WordPress ist eine sehr flexible und trotzdem sehr einfach zu bedienende Software. Man kann damit natürlich Blogs, aber eben auch normale Websites umsetzen. Zudem gibt es tausende Plugins, von denen viele sehr nützlich sind und in wenigen Schritten den eigenen Blog individuell machen. Und nicht zuletzt kann man WordPress sehr gut für Google optimieren. Es gibt da draußen sicher eine Menge gute Content Management Systeme und WordPress ist sicher auch nicht das Beste. Aber ich kenne mich mit WordPress mittlerweile so gut aus, dass ich nicht leichtfertig wechseln würde.
Die eigenen Projekte im Internet richtig zu vermarkten ist ein Schlüssel zum Erfolg. Lese ich die falschen Webseiten oder hast Du einfach die kritische Masse erreicht, so das Deine Projekte kaum noch aktiv vermarktet werden müssen?
Bei jedem Artikel betreibe ich aktive Vermarktung. Sei es durch Suchmaschinenoptimierung, die Wahl des Artikel-Themas, Nutzung von Social Websites, Kontaktpflege mit anderen Blogger etc. Einen Großteil der Vermarktungsmaßnahmen findet jedoch laufend nebenher statt. Wer immer nur mal eine größere Vermarktungsaktion fährt, wird sicher nur teilweise Erfolg haben. Aber auch bei mir gibt es mal größere Gewinnspiele, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Aber du hast schon recht. Ab einer gewissen Größe sollte man sich zwar nicht ausruhen, aber man hat es etwas einfacher aufzufallen. Die bestehende Leserschaft übernimmt da schon ein Teil der Vermarktung, indem meine Tweets retweeted werden oder Backlinks gesetzt werden. Aber von nichts kommt nichts und wer möglichst zeitig akzeptiert, dass man eigentlich immer irgendwie was für die Vermarktung machen sollte, der wird auch erfolgreich sein.
Peer, um den Metatag Nofollow gab es und gibt es heftigen Streit. Da sind die Befürworter, die Gegner und die damit leben. Wie kritisch siehst Du das “Problem” Nofollow?
Der Nofollow-Tag war ein Versuch, dem Kommentar-Spam zu leibe zu rücken. Aber es ist nicht wirklich ein gutes Instrument. Allerdings sorgt es bei mir auch nicht für schlaflose Nächte, da es wichtigeres gibt.
In der Diskussion taucht in letzter Zeit der Trustrank auf. Ist der Trustrank nicht einfach ein anderes Wort für Trust, also Vertrauen das schon länger eine Rolle spielt?
Über den Trustrank habe ich letztens einen Artikel geschrieben. Ich denke, dass Google schon seit längerem das Konzept des PageRanks umstrickt und versucht, so was wie einen Trustrank automatisiert zu erstellen. Das ist aber nicht einfach. Trotzdem denke ich, dass Vertrauen mittlerweile schon eine große Rolle im Google Ranking spielt. Wie genau Google diesen Trust allerdings berechnet und wertet, entzieht sich meiner Kenntnis.
Du hast für Blogprojekt.de ein sehr schönes Theme gefunden und durch Deine Anpassungen noch verbessert. Hat jemand der grafisch nicht so talentiert ist und kein Geld für einen Grafiker hat auch mit einem Standardtheme eine Chance recht erfolgreich zu werden?
Es gibt im englischsprachigen Bereich eine große Anzahl an wirklich schönen Themes. Da wird man sicher fündig. Allerdings ist auch im Internet die Wiederkennbarkeit eines Blogs sehr wichtig und da gibt es halt nur 2 Wege. Entweder man macht es selber oder bezahlt jemanden dafür. Wer beides nicht kann oder will, der hat einen gewissen Nachteil. Wie im richtigen Leben zählen eben nicht nur die inneren Werte, sondern auch die Verpackung.
Werbung auf Webseiten wird von vielen gebetsmühlenartig kritisiert. Was sagst Du diesen Kritikern und siehst du Alternativen zu z.B. Adsense? Die meisten Affiliateprogramme sind für private Anbieter meist viel zu aufwendig zu pflegen. Wie stehst Du zu Werbung im Allgemeinen?
Ich sehe das recht praktisch. Ich bin selbständig und muss jeden Monat schauen, dass ich meine Rechnungen bezahlen kann. Wenn ich dann Schüler, Studenten oder Angestellte höre, die sich über Werbung aufregen, dann kann ich das aus deren Sicht verstehen. Die brauchen keine Einnahmen von ihren Websites.
Allerdings vergessen gerade diese Leute recht schnell, dass Sie selber ständig predigen, dass das Web frei ist und jeder machen darf was er will (so lange ich damit keinem Schade). Ich bin mit meinen 35 vielleicht auch schon gelassen genug, um mich an solche Diskussionen nicht zu beteiligen. Ich muss mir jeden Morgen im Spiegel in die Augen sehen können und auch meinen Kindern. Wenn ich das kann, dann stören mich auch irgendwelche Vorwürfe nicht.
Es gibt für alle Werbeformen auch Alternativen. Während AdSense aber vor allem vom zufälligen Klick der User lebt, ist Affiliate Werbung für eine sehr konkrete Zielgruppe. In meiner Affiliate-Marketing-Serie auf Selbständig im Netz versuche ich zu zeigen, wie man mit Affiliate-Marketing Geld verdienen kann. Das ist für viele sehr schwer, da sie die Sache von der falschen Seite angehen.
Sie sehen ein Affiliate-Programm mit 50 Euro Provision und wollen nun ihre Besuchern dieses Affiliate-Programm schmackhaft machen. Allerdings läuft es andersherum. Man hat Leser und sollte schauen, was diese bewegt und welche Bedürfnisse diese haben. Dann sucht man ein passendes Partnerprogramm, welches diese Bedürfnisse befriedigt.
Worüber würdest Du gerne noch etwas schreiben wonach ich nicht gefragt habe?
Keine Ahnung, du hast ja schon sehr viel gefragt. :-)
Peer, während ich das Blog aufsetze bin ich noch über zwei Fragen gestolpert. Zu Denen würde ich gerne Deine Meinung hören. Wie sinnvoll ist der Einsatz einer .htaccess? Gibt es Situationen in der die .htaccess unentbehrlich ist?
Ich nutze die .htaccess für einige Dinge, wie Bilderschutz, Weiterleitungen, Zugriffskontrolle und WordPress nutzt die .htaccess ja z.B. auch für die Permalinks. Allerdings sind manche Befehle für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Da hilft dann aber meist ein Blick auf entsprechende Websites. Insgesamt finde ich die Datei schon nützlich, aber mehr auch nicht.
Ich habe gelesen das Robots, besonders die der bösen Sorte (Spammer), die robots.txt ignorieren. Weswegen sollte man die robots.txt trotzdem einsetzen?
Die robots.txt ist natürlich erstmal für die große Anzahl an guten Crawlern gedacht, um z.B. bestimmte Seiten von der Google-Indexierung auszuschließen.
Die bösen Crawler (wobei es hier sicher auch Abstufungen gibt und nicht alle Crawler, die die robots.txt ignorieren machen etwas böses) kann man z.B. per .htaccess ausschließen. :-)
Herzlichen Dank für Deine ausführlichen Antworten Peer Wandiger (wandooweb, selbstaendig-im-netz.de, blogprojekt.de).
Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Schau regelmäßig nach neuen Interviewgästen von Maclites und verfolge das Maclites Magazin über:
Tolles Interview, was du da mit dem Peer geführt hast. Jetzt verfolge ich seine beiden Blogs schon eine gefühlte Ewigkeit, habe die bisherigen Podcasts genossen und darf nun erfahren, dass er gerade mal 50km von mir entfernt wohnt.
Die robots.txt nutze auch ich nur zum Ausschließen überflüssiger Inhalte (z.B. /*search* oder /seite-empfehlen); die großen Suchmaschinen halten sich auch daran… Die bösen bekommen via RewriteRules irgend einen Fehler (403 zum Beispiel).
@Daniel: Freut mich das Dir das erste Interview mit Peer gefällt. Mit dem Blogprojekt Podcast und auch den Blogs werden wir sicher noch viel Spass haben. 50 km ist nicht weit, vielleicht trefft ihr euch ja mal auf einem Barcamp oder so auf einen Kaffee.
Was die robots.txt und .htaccess angeht teste ich da gerade ein wenig mit rum. Trotzdem bleiben, für mich, beide Dateien in ihrer Tiefe ein Buch mit sieben Siegeln. Vielleicht kann ja jemand eine Seite empfehlen die das einsteigerfreundlich erklärt und nicht nur über passwortgeschützte Verzeichnisse schreibt.
Die nächsten zwei Interviews befinden sich schon auf meinem Mac. Auch hab ich schon die nächsten Anfragen abgeschickt und leider auch schon eine konkrete Absage erhalten. Zwei haben das Interview verschoben und ich bin nicht sicher ob das verschieben echt ist oder eine versteckte Absage. Ich kann aber versprechen das die zwei letzten Anfragen echte Knaller sein werden wenn ich Zusagen bekomme.
Herzlichen Gruss aus Hamburg
Auch danke von mir für das Interview. Ich lese Peers Blogs schon länger und es gefällt mir immer auch mal etwas über die “Person” dahinter zu erfahren.
@Thomas: Ich habe das Interview gerne geführt und bin froh das meine Fragen und somit auch Peers Antworten durchaus auf Interesse stossen.
Bis bald!