Spiele-Podcast “Spieleveteranen” – Gamer, Journalist und Podcaster, Anatol Locker
Durch den Podcast Spieleveteranen bin ich auf Anatol aufmerksam geworden. Vom Gamer und Spielemagazin-Chefredakteur, zum Podcaster und Journalisten. Aber lest selbst was Anatol Locker, von den Spieleveteranen, zu erzählen hat.
Bild: Anatol Locker.
Ausser das Du beim Spieleveteranen-Podcast mitmachst weiß ich nicht viel von Dir. Ich und bestimmt auch einige Besucher von Maclites würden gerne mehr von Dir wissen. Magst Du uns etwas über Dich erzählen, Anatol?
Gerne. Die Kurzfassung? Anatol Locker, Journalist.
Die längere Variante? Angefangen als Redakteur bei Happy Computer / PowerPlay, dann zum Magazin Wiener, Ressortleiter bei TV Movie, stellvertretender Chefredakteur von Europe Online. Dann wurde ich gefragt, ob ich mir etwas zum Thema „Computer, Kids und Bravo“ vorstellen könnte. Heraus kam ein kantiges Magazin namens „Bravo ScreenFun“, das ich zehn Jahre als Chefredakteur verantwortet habe. Seit zwei Jahren leite ich mein eigenes Redaktionsbüro.
Wie kam es zu Deiner Beteiligung am Spiele-Podcast “Spieleveteranen”?
Mein Kollege Heinrich Lenhardt schrieb mich an, ob ich Lust hätte, an einer „Altherren“-Plaudererrunde via Skype teilzunehmen. Ich hatte sofort das Bild der Muppets-Opas im Kopf und fand die Idee einfach nur witzig. Außerdem hatte ich schon immer Lust, einen Podcast zu machen – das passte.
Als dann Boris Schneider-Johne und Winnie Forster zusagten, war die Sache nahezu perfekt. Und mit Jörg „Junior“ Langer sind wir nun fünf Ex-Chefredakteure aus der frühen Spielemagazine-Szene.
Wie siehst Du die Spieleveteranen nach mehr als 10 Podcast-Episoden?
Ich hoffe, dass wir eine etwas andere, abgehangenere Form der Spielebesprechung gefunden haben. Ich finde, dass es heute kaum noch lesenswerte Spielemagazine gibt. Das mag daran liegen, dass die Redaktionen mit chronischer Unterbesetzung, massivem finanziellen Druck und permanenter Nabelschau beschäftigt sind.
Andererseits hat sich der Spieletest per se seit zwanzig Jahren nicht mehr verändert. Ich finde die meisten Testberichte nur noch zum Gähnen. Ein Genre, das dringend einer Reform bedarf!
Du gehörst auch zur Isarrunde einem Münchener Podcast. Was ist die Isarrunde?
Die Isarrunde ist eine Idee von Michael Praetorius, einem bekannten Münchner Medienjournalisten. Wir treffen uns wöchentlich in wechselnder Besetzung in der Aroma Kaffeebar zu einer unchristlichen Zeit; dort plaudern wir über neue Trends und Hypes. Ich mag die Isarrunde, weil man hier „Undenkbares“ ansprechen und ein wenig spekulieren kann.
Wo können Maclites-Leser Werke und Aktivitäten von Dir als Journalisten bzw. Autor lesen oder mitbekommen, die aber nichts mit Spieleveteranen oder der Isarrunde zu tun haben?
Mein Geld verdiene ich mit Artikeln für ZDF / heute.de, ORF / Futurezone.at, Chip Online, der Bravo-Gruppe u.a. Früher habe ich hauptsächlich über Spiele berichtet, heute interessieren mich alle Bereiche von Technik, Technologie und Unterhaltungselektronik.
Es ist heute für Journalisten schwer geworden, als Einzelkämpfer in einer engen thematischen Nische zu überleben. Das bedeutet auch, dass man mehr Medienformen bedienen muss: Ich schreibe Texte, fotografiere, mache Audio- und Videopodcasts, gebe Vorträge und schreibe Konzepte. Und: Ja, man kann mich auch buchen ;-)
Dem Print-Journalismus, der mich 25 Jahre gut ernährt hat, kehre ich stückchenweise den Rücken. Das ist schade, denn ich habe eine Schwäche für gut gemachte Magazine. Allerdings sehe ich das Netz als Journalisten-Medium der nächsten Dekade.
Hörst Du Podcasts, wenn ja welches sind Deine Top5 und warum?
Podcasts habe ich – wie wahrscheinlich viele – über Annik Rubens „Schlaflos in München“ kennen- und schätzen gelernt. Sie ist eine unglaublich charmante Podcasterin und eine liebenswerte und kluge Person. Da ich elektronische Musik und Kunst mag, habe ich viele Podcasts in dieser Richtung abonniert, darunter den unverzichtbaren De:Bug-Feed.
Wunderbar finde ich das New Yorker „WNYC Radio Lab“. Jad Ambumrad und Robert Krulvich machen die schönsten, ausgefeiltesten und intelligentesten Radiosendungen, die man sich nur vorstellen kann. Gott, sind die gut! Außerdem mag ich den Biss des BR-Politmagazins „Quer“ und die Kindersendung „Wissen macht Ah!“, weil man dort immer etwas lernen kann.
Das sind wohl die Konstanten in meinem Podcast-Leben.
Gibt es Blogs / Netzprojekte die Du gerne empfehlen magst?
Hm. Da fällt mir wenig dazu ein. Für mich ist der Unterschied zwischen einem Blog, einer Webseite, einem Netzprojekt und eine Seite, die ich auf dem iPhone ansehen kann, inzwischen völlig akademisch. Musikprojekte kann ich Dir einige empfehlen. Allerdings mache ich da mit ;-)
Welche aktuelle Technik interessiert Dich besonders?
Derzeit finde ich die Handybranche hochinteressant. Die Geschwindigkeit, mit der Handy-Software seit einem Jahr expandiert, erinnert mich an die Zeit, als Computer erstmals für alle erschwinglich wurden. Da konnte jeder mit Programmierkenntnissen einen Riesenhit landen. Leider ist die Goldgräberzeit fast schon vorbei. Die Handysoftware-Branche wird sich schnell konsolidieren und professionalisieren – und dann so stomlinienförmig werden wie jede andere Branche auch.
Du schreibst von Interesse an Unterhaltungselektronik. Ist das auf die Spieleindustrie beschränkt, oder umfasst das Interesse ein breiteres Gebiet?
Ich formulier’s mal so: Alles, was Strom frisst und Spaß macht, gehört für mich zur Unterhaltungselektronik. Spiele sind da ein großer, wichtiger Baustein. Doch es gibt unzählige spannende Gebiete, die ich regelmäßig mit Artikeln beackere: Internet und Netzpolitik, Neues Fernsehen, Hard- und Software, Social Networks…
Ich denke, dass für die Spieleveteranen-Generation der Computer einen anderen Stellenwert einnimmt als für meine Kinder. Während wir mit leuchtenden Augen vor den ersten Rechnern saßen, ist für meine Kinder der Computer reines Mittel zum Zweck: Surfen, Schreiben und, ja, ein wenig Spielen. Ich kenne Familien, in denen zocken die Väter mehr als ihre Söhne.
Welche Hardware /Software nutzen die Spielveteranen für Aufnahme und Post-Produktion des Podcasts?
Die Hardware steht bei mir, und zwar in Form eines MacBook Pro. Darauf läuft ein „Wiretap Studio“, mit dem ich unsere Skype-Session in mehreren Spuren aufnehme. Die Qualität von Skype ist nicht leider nicht berauschend, aber ich hoffe, unsere Hörer haben sich einigermaßen daran gewöhnt.
Den Mitschnitt bearbeite ich in „Wavelab“. Damit kann man Audio chirurgisch schneiden. Ich nutze das Programm seit zehn Jahren und habe es sehr schätzen gelernt. Etwa zwanzig Prozent der Aufnahme fallen raus, darunter Versprecher, ausuferende „Ähs“, technische Skype-Pannen und Pausen.
Anschließend mische ich in „Ableton Live“ die An-und Ab-Moderationen sowie den Schlussgag dazu, dann wird exportiert – fertig. Ich liebe Ableton Live. Es ist ein Programm, mit dem man Brot-und-Butter-Jobs erledigt, aber gleichzeitig ist es ein wunderbares, intuitives Tool zum Musikmachen.
Gibt es Macuser und iPhone-Nutzer unter den Spieleveteranen?
Jeder Spieleveteran hat natürlich Zugang zu einem iPhone oder iPod touch. Winnie besitzt einen iMac, auf dem er seine Gameplan-Bücher schreibt. Boris arbeitet für Microsoft und „kennt seine Feinde“. Heinrich und Jörg arbeiten meines Wissens auf Windows-Rechnern. Und wir alle haben natürlich auf Apple-Rechnern unserer Magazine gemacht.
Die Meinungen zum Thema Apple gehen bei uns auseinander. Apple ist derzeit Hype – und das erzeugt natürlich Gegenwind.
Ich bin kein glühender Apple-Fanboy – auch wenn es im Spieleveteranen-Podcast so rüberkommen mag. Aber seit ich vor zwei Jahren von Windows zu Mac gewechselt habe, reizt mich privat die Microsoft-Welt überhaupt nicht mehr. Der Mac ist einfach unkompliziert, praktisch und die Bedienung ein echter No-Brainer… Allerdings kann es schon in zwei, drei Jahren ein anderes System geben, das meiner Arbeitsweise näher kommt. Ich bin da relativ pragmatisch.
Herzlichen Dank! Das war Anatol Locker, Journalist, Spieleveteran, Podcaster und ehemaliger Spielemagazin-Chefredakteur. Anatol kann auch auf Twitter verfolgt werden.
Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Schau regelmäßig nach neuen Interviewgästen von Maclites und verfolge das Maclites Magazin über:
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Aktualisiert am 19/11/2011
Tags: journalisten, podcasts, spiele-games, spieleveteranen