iPhone- / Mac-Hilfe



[Interview] Tee-Wissen: Julia und Alexander vom Teepod, über Liebe zum Tee und besondere Teeplantagen

Im Tee-Blog Teepod sammeln Julia Amann und Alexander Poetsch Tee-Wissen. Die beiden Tee-Liebhaber erzählen von der Liebe zum Tee und besonderen Teeplantagen.

Bild: Teepod-Homepage von Julia Amann und Alexander Poetsch.

Durch mein Interview mit Marcus Loscher bin ich auf das Tee-Blog Teepod gestoßen. Mögt Ihr Euch und die dazugehörigen Netzprojekte vorstellen, Julia und Alexander?
Alexander: Ich bin 41 Jahre alt und trinke Tee seit meinem vierten Lebensjahr – klar als Norddeutscher. Seit elf Jahren bin ich Inhaber eines Teefachgeschäftes (Evas Teeplantage), arbeite dort seit 20 Jahren in der Nürnberger Altstadt und verkaufe persönlich am liebsten japanischen Grüntee und Darjeeling, hauptsächlich aber aromatisierte Tees jeder Couleur.

Julia: Ich bin 28 Jahre alt, bin Politikwissenschaftlerin und Werbefachwirtin. Ich arbeite in einer großen Agentur für Kommunikation außerhalb von Nürnberg. Tee trinke ich schon seit meiner Kindheit, seit ein paar Jahren bin ich auf die leckeren Grünteesorten, vor allem die aus Japan gestoßen.

Da mittlerweile viele Teeliebhaber im Netz sehr aktiv sind, haben wir uns dazu entschlossen, unser Teewissen auch dort weiterzugeben. Aus dieser Idee heraus entstand das Online Teemagazin www.Teepod.de. Hier schreiben wir über die Zubereitung und den Anbau von Tee, zeigen Teevideos und rezensieren Literatur und Sachbücher, die Tee zum Thema haben. Aber auch kuriose Bastelanleitungen wie gehäkelte Teekannenwärmer oder Anleitungen für Lufterfrischer mit Teebeuteln finden die Leser bei uns.

Mit dazu gehört seit einem Jahr auch der Onlineshop www.Evas-Teeplantage.de. Hier gibt es das ganze Sortiment aus dem Teefachgeschäft in Nürnberg jederzeit verfügbar im Netz.

Was sollte, aus Eurer Sicht, auch der Laie über Tee wissen – was ist besonders wissenswert, geht aber über das Grundlagenwissen über Tee hinaus?
Wissen muss man, unserer Meinung nach, nicht viel. Wer guten Tee genießen will, braucht nur eine Gelegenheit, um Fragen zu stellen und sich Tipps zur Zubereitung zu holen. Denn wer z. B. Grüntee liebt, wird im wahrsten Sinne des Wortes bitter enttäuscht, wenn er seinen Sencha oder Gyokuro mit kochend heißem Wasser übergießt und fünf Minuten ziehen lässt.

Andere Teesorten sind da nicht so „zickig“. Aber ein kleiner Rat an der richtigen Stelle kann nicht schaden. Dafür ist Teepod.de da und der persönliche und telefonische Rat von Alexander in seinem Geschäft in der Nürnberger Altstadt.

Interessant ist das Persönliche in jeder Art und Weise, denn man dient doch eher als Ratgeber denn als Patentrezeptaussteller; eben auch, aber nicht nur in Teefragen. Das macht Verkauf so interessant. Die Fragen der neugierigen Teepod-Leser und unserer Kunden sind auch für uns immer wieder Motivation, um neue spannende Geschichten rund um den Tee auszugraben.

Gibt es Mythen und Legenden über Tee, die spannend sind, oder die widerlegt wurden?
Klar gibt es genügend Mythen um die Zubereitung oder die Wirkung von Tee. Zum Beispiel der, dass Schwarzer Tee nach 3 Minuten Ziehzeit anregend, nach fünf Minuten beruhigend wirken soll. Das ist so nicht richtig. Der Koffeingehalt im Tee bleibt gleich, allerdings werden nach einer längeren Ziehzeit mehr Gerbstoffe gelöst, was sich auf die Aufnahme des Koffeins im Verdauungssystem auswirkt.

Und noch etwas: Grüner Tee ist nicht bitter. Nur wer ihn mit kochend heißem Wasser aufgießt, anstatt das Wasser auf etwa 70-80°C abkühlen zu lassen, dem zieht es die Geschmacksknospen zusammen. Dieser Mythos liegt also nicht an der Teesorte, sondern an der falschen Zubereitung.

Wie sollte Tee gekocht werden? Gibt es feste Regeln, die eingehalten werden müssen und sollten?
Tee muss in erster Linie dem Teetrinker schmecken. Oder, wie man in der Werbung gerne sagt: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, und nicht dem Angler“. Will heißen: Allgemein verbindliche Regeln gibt es nicht. Jeder mag es ein wenig anders.

Richtlinien, die den Einstieg in die leckere Zubereitung von Tee bieten, gibt es aber doch ein paar.

Grüner Tee sollte mit kühlerem Wasser aufgegossen werden, das etwa 70-80°C hat. Das trifft man z. B., wenn man den Wasserkocher nach dem Kochen etwa fünf Minuten offen stehen lässt. Oder mit Teethermometer oder mit einem Wasserkocher mit digital verstellbarer Anzeige. Ziehen sollte Grüntee – je nach Sorte – nicht länger als zwei Minuten.

Auch Schwarztee sollte nicht länger als zwei Minuten ziehen, sonst werden zu viele Gerbstoffe gelöst und er wird bitter. Aufgegossen wird er aber mit kochend heißem Wasser.

Übrigens: Wer besonders feine Teesorten zubereiten will, sollte kalkarmes Wasser, z. B. hergestellt mit Hilfe von Wasserfiltern, benutzen. Dies kann im Zweifel den Geschmack eines Tees erheblich beeinflussen.

Früchtetees mit Hibiskus (zu erkennen an der roten Farbe) dürfen nicht länger als fünf Minuten ziehen, sonst werden sie ziemlich sauer. Kräutertee, Rotbusch und Früchtetee ohne Hibiskus kann ruhig zehn Minuten oder länger ziehen. Wer den Teebeutel darin vergisst, hat keinen Schaden.

A apropos Teebeutel: Da haben wir eine ganz bestimmte Meinung dazu: In aller Regel landet im Teebeutel das, was bei der Teeproduktion übrig bleibt – kleine Teeblattstückchen und der Staub (sog. „Dust“). Nichts, was wir wirklich trinken wollen. Deswegen empfehlen wir: Drehen Sie sich ihre Teebeutel selbst mit geschmacksneutralen Papierfiltern. Wer das z. B. fürs Büro vorbereiten will, kann sich seine selbstgedrehten Filter in luft- und lichtdichte Gefäße (z. B. Teedosen) legen.

Was fasziniert Euch am Tee?
Tee macht wach. Tee beruhigt. Tee kann heilen und sogar die Libido erhöhen (sagen zumindest manche Kräuterteeproduzenten). Kurz um: Tee ist sehr vielseitig und passt in fast jeder Lebenslage. Ohne Tee könnten wir uns unser Leben nicht mehr vorstellen.

Was macht guten Tee aus?
„Guter Tee” ist zuallerst eine Frage des persönlichen Geschmacks, also eher subjektiv denn objektiv.


Natürlich sind hochwertige Tees, meistens von einer einzigen Teeplantage stammend, den einfacheren Mischungen (Blends) geschmacklich überlegen und haben einen längeren und intensiveren Nachgeschmack.

Worauf sollte beim Teekauf geachtet werden?
Am besten ist es, Sie gehen in ein Fachgeschäft, stellen Fragen und lassen sich beraten lassen. Seien Sie skeptisch, wenn ein Verkäufer selber keine Gegenfragen stellt, um zu erfahren, was der Kunde denn überhaupt sucht.

Alexander, wie kam es zu der Idee mit dem Tee-Geschäft und was hat  Dich nach Nürnberg verschlagen?
Eigentlich verschlug es meine Mutter nach Nürnberg und ich bin geblieben, weil diese Stadt kleinstädtischen Charakter mit den Annehmlichkeiten einer Großstadt verbindet. Vor 25 Jahren gründeten meine Eltern das Geschäft und der Einzelhandel machte mir von Anfang an sehr viel Spaß und so bin ich dabei geblieben, habe den Laden abgelöst und bin seit 11 Jahren mein eigener Chef.

Julia, wie bist Du auf Evas Teeplantage gestoßen und wie kam es  zu der Kooperation zwischen Alexander und Dir?
Ich kenne den Laden, seitdem ich ein Kind bin, denn schon meine Mutter kaufte dort ein. Als Tochter einer Teetrinkerin liegt es nahe, dass ich ebenfalls Spaß an den feinen Blättern habe. Als ich vor einigen Jahren meine Leidenschaft für Grüntee entwickelte, kam ich – nach Jahren der Pause – mit Alexander ins Gespräch. Dabei blieb es nicht und mittlerweile teilen wir nicht nur unseren Tee, sondern auch das Leben. Aus meinem Teelieferanten wurde mein Lebenspartner. Da liegt es nahe, meine Kenntnisse in PR und Marketing für die gemeinsame Sache einzusetzen. So kommt Evas Teeplantage zum Weblog Teepod und zum Webshop Evas-Teeplantage.

Bild: Evas Teeplantage von Julia Amann und Alexander Poetsch.

Welche Bücher mögt Ihr Tee-Freunden, Tee-Einsteigern und Tee-Liebhabern empfehlen?
Teebücher gibt es wie Sand am Meer; leider sind wenige  gute darunter. Ein paar – wie wir finden – herausragende Bücher haben wir im Teepod in der Kategorie „Teeliteratur“ besprochen.

Gibt es andere Netzprojekte zum Thema Tee die Ihr empfehlen mögt?
Für Japan-Interessierte empfehlen wir folgendes Forum: Embjapan – Die Japan Community. Der Kultur entsprechend geht es hier auch sehr oft um Tee. Auch der Teeblog der österreichischen Firma „Demmer“ ist sehr schön und interessant: http://www.teeblog.at/

Hört Ihr Podcasts? Welche Hardware benutzt Ihr? Besitzt Ihr  Produkte von Apple?
Wir hören zwar gelegentlich Podcasts, meist jedoch Beiträge aus dem regulären Radioprogramm von br-online oder von Deutschland-Radio.
Wir besitzen einen I-pod auf dem sich Julias gesamte CD-Sammlung befindet. Alexander hört Musik viel lieber in Vinyl, mit dem richtigen Knistern. Alexander widerspricht sofort: „ Bei meinen Platten gibt’s kein Knistern, außer die Musik ist so alt!“

Welche Artikel und Beiträge in Eurem Blog würdet Ihr Menschen empfehlen die Eure Seite zum ersten Mal besuchen?
Spannend finden wir die Interviews mit Teetrinkern, weil man vorher nicht weiß, was für Persönlichkeiten dort zu entdecken sind. Wenn man professionell mit einem Produkt arbeitet, weiß man natürlich nicht alles, aber es überrascht einen auch nicht so viel. Da ist es doppelt interessant, den Menschen beim Teetrinken aus Leidenschaft zuzuhören. Demnächst gibt es eine neue Rubrik, die Teemythen: sicher aufschlussreich für Neueinsteiger. Wer Schmunzeln will oder sich einfach amüsieren möchte, klickt die Teevideos an. Von japanischer Teewerbung bis zum taiwanesischen Kräuterrap gibt es hier Informatives und Skurriles zu sehen.

Betreibt Ihr aktiv Marketing für die Webseiten zum Geschäft und  was mögt Ihr darüber verraten?
Natürlich möchten wir, dass unser Blog gelesen wird. Details werden aber nicht verraten.

Was würdet Ihr gerne über Tee sagen, wonach ich nicht gefragt habe?
Nur dass man bei der Auswahl einfach der eigenen Lust folgen sollte, also keinem Trend, keinem wohlmeinenden Freund oder Verkäufer. Ausprobieren und genießen und neugierig sein, das reicht. Niemand muss wissen, ob der Tee jetzt an diesem oder jenem Hang geerntet wurde.

Worüber würdet Ihr gerne noch reden, was ich aber vergessen habe  zu fragen?
Über gute Musik, gutes Essen, tolle Filme oder Fernsehserien (UNBEDINGT und immer wieder DIE SOPRANOS gucken, oder neu entdeckt: MAD MEN, aber bitte nur im Original. Die Synchronisation ist zu schwach), aber das würde zu weit führen. Viel Erfolg mit Deinem Blog und liebe Grüße aus Nürnberg.

Das waren Julia Amann und Alexander Poetsch von Teepod und Evas Teeplantage. Herzlichen Dank!

Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Schau regelmäßig nach neuen Interviewgästen von Maclites und verfolge das Maclites Magazin über:

Andere Blogs über Tee

Aktualisiert am 19/11/2011

Tags: ,

Schreibe einen Kommentar