Tinkertool, Mac-Tools & Entwicklung für Mac | Marcel Bresink
Tinkertool und Hardwaremonitor sind zwei nützliche Mac-Tools. Ich habe mit dem Entwickler hinter der Mac-Software über Mac-Entwicklung und Sicherheit geredet. Marcel Bresink war so freundlich mir einige Fragen zu beantworten.
Bresink.com Mac-Systemwerkzeug Tinkertool | Marcel Bresink
Du betreibst eine Software-Firma mit Schwerpunkt auf Systemprogramme für Mac OS X und programmierst nützliche Werkzeuge für den Mac. Magst Du mehr von Dir verraten?
Was passiert denn, wenn man auf diese Frage mit “nein” antwortet? :-) Spaß beiseite: Ich bin promovierter Informatiker und habe früher hauptsächlich im Bereich 3D-Grafik, insbesondere Beleuchtungsberechnung geforscht. Durch verschiedenste Nebentätigkeiten während meines Studiums habe ich im Lauf der Jahre aber auch sehr breites Praxiswissen erwerben können, bis hin zur Hardware-Ebene, zum Beispiel bei Konstruktion und Bau von Steuerungscomputern. Bei meiner Arbeit achte ich immer darauf, über den Tellerrand zu schauen, um nicht – wie es vielleicht sonst oft bei Wissenschaftlern üblich ist – sich zu einseitig auf ein Spezialgebiet festzulegen. Das gilt auch für Betriebssysteme. Ich kenne mich also nicht nur auf dem Mac aus, sondern kann genauso auch mit Windows, Linux, Solaris oder exotischeren Systemen wie “IBM i” umgehen.
Mit Mac OS X und dessen Programmierung kam ich zum ersten Mal 1991 in Berührung, wobei das System damals noch “Nextstep” hieß. Man könnte daher sagen, ich kenne dieses Betriebssystem schon länger als die meisten Apple-Benutzer und viele Apple-Mitarbeiter.
Wann kam die Idee für das TinkerTool und was sollte ich über dieses nützliche Systemwerkzeug für Mac OS X wissen?
Es ist gar nicht so einfach, sich an die Anfänge zu erinnern. TinkerTool wird demnächst ja schon 10 Jahre alt. Zunächst war das ganze eine Art Fingerübung, ein kleines Experiment, um meine erste Freeware für den Mac zu veröffentlichen. Die Idee kam mir wohl, als klar wurde, dass Apple dabei war, Mac OS X für den Massenmarkt vorzubereiten und so von Version zu Version in Mac-typischer Weise auf der grafischen Oberfläche immer mehr Benutzereinstellungen verborgen und versteckt wurden, obwohl sie immer noch im System vorhanden waren. Das war die Zeit, als Nextstep sich nach mehreren Umbenennungen in “OpenStep for Mach”, “Apple Rhapsody” und “Mac OS X Server Version 1″ sich mit der “Mac OS X Public Beta” schließlich zu einem für die Macintosh-Welt tauglichen System gewandelt hatte.
Verschiedene “Profi”-Einstellungen waren immer noch im System eingebaut, aber im Programm “Systemeinstellungen” nicht mehr sichtbar. Ich dachte also, es müsste ein einfaches Programm mit einer übersichtlichen Oberfläche geben, mit dem man auf diese verborgenen Einstellungen elegant zugreifen könnte. Ich wusste, dass die klassischen Mac-User sich nicht trauen würden, hierzu die Kommandozeile zu verwenden, sondern eine leichte Lösung zum Anklicken bevorzugten. Daraus ist dann TinkerTool entstanden.
Es gibt sehr oft das Missverständnis, TinkerTool würde Änderungen am Betriebssystem vornehmen oder irgendwelche geheimnisvollen Dinge tun. Man sollte daher wissen, dass genau das nicht der Fall ist. TinkerTool greift lediglich auf die persönlichen Einstellungen eines Benutzers zu und schaltet damit Funktionen ein, die Apple selbst in Mac OS X eingebaut hat. Von daher bleibt das System immer völlig unberührt und wird nicht gefährdet. Alle Einstellungen lassen sich auch auf Knopfdruck komplett zurücksetzen.
Welches deiner Mac-Tools ist dir neben Tinkertool besonders wichtig? Vielleicht eines das immer im Schatten von dem Mac-Systemwerkzeug Tinkertool steht?
Nun, von den Stückzahlen her ist sicherlich der große Bruder von TinkerTool, also das Programm “TinkerTool System” das wichtigste. Es gibt eine Fassung 1, die für die Systeme bis Tiger optimiert ist, und ein “Release 2″, das ab Leopard einsetzbar ist. Die Systemprogramme beschränken sich nicht wie TinkerTool auf Einstellungen des Benutzers, sondern es können hier systemweite Einstellungen, die für alle Benutzer gelten, verändert werden. Daher der Name.
Darüber hinaus bietet TinkerTool System verschiedene Diagnose- und Wartungsfunktionen an, die leider auch in Mac OS X immer nötiger werden. Viele dieser Funktionen sind innovativ und im Moment einzigartig, so kann man zum Beispiel Caches “zur Probe” bereinigen. Hilft eine Cache-Bereinigung nicht, um ein vermutetes Systemproblem zu lösen, können die Caches auf Knopfdruck auf den vorigen Stand wiederhergestellt werden, so dass man keine großen Leistungsverluste hat, wie sie ja sonst beim Löschen von Cache-Inhalten üblich wären. Die Funktionen sind sehr vielfältig und umfangreich, so dass es inzwischen auch ein 160-seitiges, druckbares Handbuch für das Programm gibt.
Beim surfen auf deiner Seite habe ich auch Bücher über Mac OS X gesehen die du geschrieben hast. Leider sind die Bücher vergriffen. Wird es eine neue Auflage oder ein neues Buch von dir geben?
Das ist ein etwas heikles Thema. Seitdem Apple Mac OS X 10.4 Tiger veröffentlicht hat, muss ich leider sehen, dass es mit der Produktqualität von Mac OS X nicht mehr zum Besten bestellt ist. Die zu Zeiten von Jaguar und Panther veröffentlichten Bücher waren für Einsteiger geeignet, gingen aber gleichzeitig auch sehr in die Tiefe, also bis in die Unix-Ebene und bis zu den technischen Hintergründen, z.B. Speicher- und Prozessverwaltung, netzwerkweite Administrierung, usw. Dabei probiere ich jedes technische Detail in mühevoller Kleinarbeit selbst aus, um nachzuprüfen, ob es wirklich funktioniert. Auf Apples Dokumentation und Behauptungen kann man sich nicht verlassen, denn es gibt erhebliche Abweichungen zwischen dem Soll- und dem Ist-Zustand.
Wenn man nun das System so tiefgehend unter die Lupe nimmt, stellt man leider fest, dass Vieles nicht funktioniert, bzw. scheinbar nicht zu Ende entwickelt wurde. Manchmal sind es kleine, aber trotzdem peinliche Mängel, z.B. dass in Safari seit geraumer Zeit die Snapback-Funktion komplett ausfällt, falls man Google nicht auf englisch verwendet, oder dass man im Web-Interface von iCal Server keine Termine zwischen 12:01 Uhr und 13:00 Uhr einrichten kann, wenn man einen nicht-englischen Browser nutzt. Andere Fehler sind ernster, z.B. dass die Funktion “Portable Privatordner” unbrauchbar wird, sobald ein Benutzer auf die Idee kommt iPhoto zu verwenden, oder dass Dateikopierfunktionen in bestimmten Situationen schon vom Basissystem nicht mehr korrekt ausgeführt werden, was zu Beschädigungen von Daten und Datensicherungen führen kann.
Wenn man Mac OS X nur zum Start von Photoshop verwendet, bemerkt man solche Defekte nicht, aber es gibt leider hunderte davon. Apple sind diese Fehler seit Jahren bekannt, sie werden aber nicht behoben; offenbar aus Zeitmangel, da die Priorität im Moment auf der iPhone/iPad-Entwicklung liegt. Wenn ich nun auf dem gewohnten technischen Niveau über die aktuellen Versionen von Mac OS X schreiben würde, müsste ich in fast jedem Kapitel Formulierungen verwenden wie “Dieses Feature ist eigentlich so gedacht, funktioniert aber in der Praxis nicht. Abhilfe gibt es keine. Ob und wann dies korrigiert wird, unterliegt Apples Geheimhaltung.” Das ist weder für mich als Autor, noch für den Leser befriedigend. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, zunächst einmal keine Bücher zu veröffentlichen, bis sich die Qualitätssituation wieder bessert.
Was empfiehlst du Einsteigern im Umgang mit Mac OS X? Gibt es Bücher, Webseiten, Podcasts, Zeitschriften die besonders einsteigerfreundlich sind? Sieht dein Tipp vielleicht ganz anders aus?
Nach meiner Erfahrung ist es je nach Person sehr unterschiedlich, was zum Einstieg in ein unbekanntes Thema geeignet ist. Der eine liest gerne Bücher, der andere will mehr “live” und unterrichtsartig geführt werden. Bei Einsteigerbüchern habe ich Moment nicht wirklich den Marktüberblick. Ein guter Klassiker dürfte aber immer noch die “Missing Manual”-Reihe von David Pogue sein, die es als “Das fehlende Handbuch” auch auf deutsch gibt.
Webseiten und Podcasts sind meistens mehr auf vordergründige Tipps & Tricks-Sammlungen aus und für Einsteiger weniger geeignet. Mit Mac-Zeitschriften im deutschsprachigen Raum habe ich generell so meine Probleme. Die meisten scheinen immer noch davon auszugehen, dass alle Mac-User grundsätzlich beruflich im Print- und Media-Gewerbe arbeiten, was der Zielgruppe heutzutage nicht mehr entspricht. Die Kompetenz liegt in einem falschen Bereich. Wirklich hervorragend gemachte Mac-Zeitschriften kenne ich bisher nur aus Japan …
Ein Tipp, den ich geben kann, ist eine vielleicht recht altmodische Herangehensweise für den Einstieg in Mac OS X: einfach einmal in Apples Originalhandbuch stöbern, das sich im Finder unter “Hilfe > Mac-Hilfe” verbirgt. Was man dort findet, ist didaktisch gut aufbereitet und kann sofort in die Praxis umgesetzt werden.
Was meinst Du genau mit vordergründigen Tipps und Tricks die von Webseiten und Podcasts angeboten werden? Was vermisst du bei aktuellen Supportseiten im Netz?
Podcasts und auch Webseiten, die periodisch oder sendungsartig orientiert arbeiten, stehen vor dem Problem, sozusagen ständig etwas Neues produzieren zu müssen. Es liegt dann in der Natur der Sache, dass einem entweder irgendwann der Stoff ausgeht oder dass man auf immer speziellere Themen eingehen muss. Das ist für einen Einsteiger, der eine systematische Heranführung sucht, nur selten zu gebrauchen.
Supportseiten laufen in der Regel auf Diskussionsforen zur Selbsthilfe hinaus. Und da ist es für einen Einsteiger so gut wie unmöglich, kompetente von inkompetenten Beiträgen (die leider oft in der Mehrzahl sind) zu unterscheiden. Da helfen auch Bewertungssysteme nicht.
Mac OS X kann von Haus aus sehr viel. Welche zusätzlichen Mac-Programme und Mac-Tools nutzt du selber produktiv, passen gut in deinen Workflow und magst du auch noch empfehlen?
Neben den unvermeidlichen Programmen wie VLC, Google Earth, Parallels, MacTracker und Flip4Mac nutze ich Apples iWork-Programme. Notgedrungen bin ich bei meiner Arbeit oft auch auf den Einsatz von Software-Produkten wie Filemaker Pro, Dreamweaver und Excel angewiesen. Über diese Programme muss man allerdings sagen, dass das eher Windows-Anwendungen sind, die sozusagen nebenbei auf den Mac portiert wurden. Die Arbeit damit ist nicht wirklich Mac-like, so dass man ruhigen Gewissens solche Programme nicht empfehlen kann. Gerne arbeite ich dagegen mit VectorDesigner von Tweakersoft und mit OmniGraffle.
Ansonsten bin ich jemand, der grundsätzlich so wenig zugekaufte Software wie möglich verwendet. Viele Dinge, die wirklich geschäftsentscheidend und für meinen Workflow wichtig sind, sind alle maßgeschneidert selbst entwickelt und somit in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Da weiß man, was man hat. ;-)
Aaron Hillegass Bücher werden gerne empfohlen. Kennst du ein Buch von Hillegass und teilst du die Euphorie der anderen Mac-Entwickler? Was weisst du von Aaron Hillegass ohne Wikipedia aufzurufen?
Ich hoffe, das klingt jetzt nicht überheblich, aber da ich ja seit Anbeginn Software für Mac OS X entwickeln kann, habe ich mich mit Büchern zur Mac-Software-Entwicklung noch nie beschäftigt und kenne außer Apples Originalhandbüchern auch keine. Soweit ich weiß, hat Aaron Hillegass ähnlich wie ich Nextstep während seines Studiums kennengelernt. Später hat er dann vorübergehend bei NeXT und Apple gearbeitet und ist im Laufe der Jahre zum Cocoa-Lehrmeister Nummer 1 geworden. Mehr weiß ich nicht und ich habe ihn auch noch nicht kennengelernt.
Gibt es Mac-Entwickler deren Arbeit du respektierst und über die du etwas erzählen magst?
Die Mac-Entwickler, die ich wirklich seit vielen Jahren bewundere, gehören zur Omni Group unter Ken Case. Deren Entwickler gehören zu den wenigen, die Mac OS X und dessen entscheidende Vorteile bei der Software-Entwicklung mit Cocoa und Objective-C wirklich durch und durch verstehen. Das gilt für alle Ebenen, sowohl für die grundsätzliche Architektur, die Umsetzung in den technischen Details, das innere und äußere Design und das Look-and-Feel der Produkte. Sie haben sozusagen den Geist von Mac OS X am ehesten begriffen und setzen ihn in ihrer eigenen Software fort. Nach meinem Eindruck sogar manchmal konsequenter als Apple, die oft noch Zugeständnisse an das klassische Mac OS machen und vielleicht auch machen müssen.
Stell dir vor du begegnest einem motivierten Mac-Softwareentwicklungs-Einsteiger. Er hat keinerlei Programmierkenntnisse, kein Informatikstudium, ist kein Mathegenie usw. Gibt es etwas was du ihm mit auf den Weg geben kannst und ihm den Einstieg in die Entwicklung von Mac-Software erleichtert? Sollte so einer garnicht anfangen zu entwickeln oder vielleicht mit einer iPhone-App / iPad-App beginnen?
Nun ja, irgendwann fängt Jeder klein an. Man sollte niemanden davon abhalten, für den Mac zu entwickeln. Obwohl Mac OS X-Anwendungen im direkten Vergleich zu anderen Systemen recht einfach zu programmieren sind, muss man auch hier erst einmal grundsätzliche Programmierkenntnisse erwerben. Einem Anfänger würde ich zunächst das Erlernen der Programmiersprache C empfehlen. Wenn man das beherrscht, kann man innerhalb kürzester Zeit den Umstieg auf Objective-C schaffen, was vereinfacht ausgedrückt nur eine kleine Ergänzung zu C darstellt. Danach hat man das Rüstzeug, um sich in Xcode und Cocoa einzuarbeiten. Einführungshandbücher, Referenzen, Beispielprogramme und Tutorien liefert Apple ja bei Mac OS X mit, wenn auch nur in englischer Sprache.
Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Eine Programmierumgebung wie Cocoa, in der 20 Jahre Technologie stecken, kann man aufgrund der Stofffülle nicht auf die Schnelle kennenlernen. Mit iPhone- oder iPad-Programmierung zu beginnen, würde ich auf gar keinen Fall empfehlen. Die Entwicklung dort ist nochmal einen Schritt aufwändiger, da man sich noch mit vielen weiteren Themen wie Cross Development (die Entwicklung findet nicht auf dem Zielcomputer statt, sondern auf einem System mit anderem Prozessor und Betriebssystem), digitaler Codeversiegelung, einer stark eingeschränkten Bedieneroberfläche, Multi-Touch-Interaktion und vielem mehr herumschlagen muss.
Du hast geschrieben das TinkerTool sich wenig bis garnicht in das System einhakt. Heisst das im Umkehrschluß das ein Mac-Einsteiger sorglos damit herumspielen kann?
Ja, natürlich. Wie schon gesagt wird kein einziger Bestandteil von Mac OS X an irgendeiner Stelle verändert. Es werden lediglich private Einstellungen des aktuellen Benutzers auf andere Werte gesetzt, als diejenigen, die man im Programm “Systemeinstellungen” normalerweise sehen kann. Auf diese Weise werden in den Programmen Funktionen freigeschaltet, die Apple als “mehr für Profis geeignet” ansieht.
Das Schlimmste, was theoretisch passieren könnte, wäre, dass eine Benutzereinstellung in einer bestimmten Situation eine Nebenwirkung hervorruft, die so nicht beabsichtigt war. Das liegt daran, dass Apple für diese teilweise “inoffiziellen” Einstellungen keine Qualitätssicherung durchführt. Nicht alle Programme werden auf Verträglichkeit mit diesen Sonderfunktionen getestet. Solche Probleme können aber auch bei offiziellen Einstellungen vorkommen.
Was kann und sollte ein Entwickler von Mac-Software aktiv tun damit das von ihm entwickelte Mac-Programm nicht die Sicherheit und Stabilität von Mac OS X gefährdet?
Das Gute an einem Unix-System wie Mac OS X ist, dass ein Entwickler hierfür überhaupt nichts zu tun braucht. Alle Betriebssystemkomponenten sind mit entsprechenden Berechtigungen geschützt und können im Normalbetrieb nicht verändert werden. Was Vielen so nicht klar ist: Auch auf den Hauptspeicher (RAM) hat außer dem innersten Systemkern (Kernel) kein einziges Programm direkten Zugriff. Jedes laufende Programm kann nur in einem sogenannten virtuellen Speicherraum arbeiten, der vom Prozessor per Hardware streng überwacht auf echten Speicher abgebildet wird. Bei jedem einzelnen Zugriff schaut der Prozessor diesem Programm auf die Finger. Sobald ein Programm versucht, absichtlich oder unabsichtlich Speicher zu verwenden, der außerhalb dieses virtuellen Raums liegt, wird dieses Programm sofort abgebrochen. Das ist das, was man “Absturz aufgrund einer Schutzverletzung” nennt. Solche Techniken sorgen dafür, dass Mac OS X immer stabil bleibt, selbst wenn man minderwertige Programme einsetzt.
Es ist also umgekehrt: Ein Programm kann nur dann Sicherheit und Stabilität gefährden, wenn der Entwickler aktiv Maßnahmen in das Programm eingebaut hat, um die sogenannten Privilegien dieses Programms zu erhöhen und somit Schutzmaßnahmen außer Kraft zu setzen. Bei System-Tools kann das im Gegensatz zu normalen Benutzerprogrammen manchmal erforderlich sein. In Mac OS X kann man sehr einfach erkennen, wann ein Programm mehr Rechte als normal braucht: In diesem Fall wird vom Betriebssystem das Dialogfenster “Geben Sie Namen und Kennwort eines Administrators ein, um xxx Änderungen zu erlauben.” eingeblendet und man muss dann den Namen eines Systemverwalters und dessen Kennwort eingeben, um dem Programm Sonderrechte zu gewähren. Das Programm behält dann kurzzeitig diese Sonderrechte, was meistens durch das Symbol “geöffnetes Schloss” angezeigt wird.
Die einfache Daumenregel ist: Wenn ein Programm weder während seiner Installation, noch während seines Betriebs dieses Dialogfenster anzeigt, dann kann es Mac OS X nicht gefährden. Nur Programme und Daten des aktuellen Benutzers könnten beeinflusst werden.
Was tust du für Mac-Sichertheit und Datenschutz und dafür das du dich mit deinem Mac im Internet sicher bewegen kannst? Verschlüsselst du deine Daten und Datenträger und wie hälst du es mit Backups von den Daten auf deinem Mac?
Da ich meine Macs ja gewerblich nutze und auch Dinge wie Adressdaten von Kunden speichern muss, sind Maßnahmen zur Datensicherheit und zum Datenschutz gesetzlich vorgeschrieben. Grundsätzlich speichere ich weder Programme noch Benutzerdaten auf den lokalen Festplatten, sondern verwende zwei in Teilen redundant ausgelegte Mac OS X Server, auf denen alles zentral vorgehalten wird. Hierbei kommen die Arbeitsgruppen-Managementfunktionen von Mac OS X zum Einsatz. Ausnahmen von dieser Datenhaltung sind lediglich Programme gewisser großer Hersteller, die entweder aufgrund ihres Kopierschutzes oder einfach wegen dämlicher Programmierung mit solchen Komfortfunktionen nicht kompatibel sind.
Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass ich meine komplette Arbeitsumgebung auf jedem beliebigen Mac im Netz vorfinde. Wenn also ein Mac kaputtgeht, brauche ich mich nur an einen anderen zu setzen. Ich könnte auch einen fabrikneuen Mac aus der Verpackung nehmen, ihn ans Netz stöpseln und er ist nach 5 Minuten mit allen meinen Daten einsatzbereit, ohne dass ich etwas kopieren oder migrieren müsste.
Auch die Datensicherung kann hierdurch zentral stattfinden. Tagsüber kommt Time Machine zum Einsatz. Da man sich aber darauf nicht verlassen kann, wird jede Nacht zusätzlich eine vollautomatische Komplettspiegelung der Daten auf ein externes Wechselplattensystem vorgenommen. Die Wechselplatten werden regelmäßig in mehreren Generationen getauscht und an einem anderen Ort gelagert, um gegen physische Katastrophen abgesichert zu sein.
Auf den tragbaren Macs, also den Notebooks, werden die Arbeitsgruppen-Features von Mac OS X dazu genutzt, automatisch eine portable FileVault-Spiegelung der Benutzerordner anzulegen. So kann ich dann auf Reisen meine Daten verschlüsselt mitnehmen und Änderungen werden später automatisch zurücksynchronisiert. Naja, letzteres wenigstens in der Theorie. Das ist wie schon angedeutet eine der Funktionen, mit der Apple im Moment noch Praxisprobleme hat.
Zur Internet-Sicherheit ist zu sagen, dass ein Router mit handoptimierter Firewall zum Einsatz kommt. Alle E-Mails laufen über einen zentralen Mail-Server mit Virenscanner. Ansonsten die üblichen Maßnahmen, also Intelligenz einsetzen und nicht mit einem Administrator-Account arbeiten.
Was ist und macht den Hardwaremonitor so nützlich, wer braucht das Tool und warum sollte man eine Lizenz erstehen?
Hardwaremonitor ist ein Programm, bzw. eine Suite von insgesamt neun Einzelprogrammen, um die Hardware-Sensoren, die Apple seit 2002 in alle Computer einbaut, auszulesen und zu überwachen. Von Apple selbst gibt es ein solches Programm nur für den Xserve, der in Vollausstattung mit über 100 Sensoren ausgestattet ist. Über Hardwaremonitor kann man eine solche Überwachung aber mit jedem neueren Mac verwenden, auch im Netzwerk aus der Ferne. Die Anzahl der vorhandenen Sensoren ist je nach Mac-Modell sehr unterschiedlich.
Es gibt vier typische Gruppen von Nutzern, die das Programm einsetzen: Zum einen sind da die technisch begeisterten, die mehr als Apple normalerweise preisgibt, über ihren Mac erfahren möchten. Es ist einfach “cool” zu sehen, was sich im Inneren so tut. Mit Hilfe des Programms kann man neben den Sensormesswerten zum Beispiel auch den tatsächlichen Prozessortyp auslesen, der in einem Mac steckt. Apple gibt das ja immer nur ganz grob als “G5″, “Core 2″ oder “i7″ an und verschleiert die wahre Modellbezeichnung. Bei Notebooks kann man beispielsweise den Zustand jeder einzelnen Batteriezelle in der Akkueinheit auslesen oder herausbekommen, bei welchem Hersteller Apple das Display-Panel eingekauft hat.
Die zweite Gruppe von Anwendern sind die Bastler, die Hardware-Änderungen an ihrem Mac vorgenommen haben, zum Beispiel einen anderen Prozessor oder eine schnellere Festplatte einbauen, und dann feststellen möchten, ob sich Temperatur und Lüfterverhalten immer noch im Bereich des normalen bewegen. Hardwaremonitor kann auch externe LCD-Einheiten, also alphanumerische Klein-Displays, die man für wenig Geld im Elektronikhandel bekommt, steuern. Auf diese Weise können Bastler beispielsweise am Gehäuse ihres Mac mini eine Auslastungsanzeige einbauen, ein Feature, was man von Apple sonst nur beim fünfmal so teuren Xserve bekommt.
Die dritte Gruppe sind Leute, die wirklich bereits ein technisches Problem am Mac haben und Hardwaremonitor zur Fehlersuche und Diagnose einsetzen. Ich bekomme regelmäßig Dankschreiben aus aller Welt, wo das Programm geholfen hat, frühzeitig Temperaturprobleme zu erkennen und Folgeschäden zu vermeiden, bzw. wo mit Hilfe der erfassten Messergebnisse Garantieansprüche gegenüber Apple durchgesetzt werden konnten.
Die vierte Gruppe sind große Firmen und Universitäten, die ganze Rechnerschränke oder Labore von Macs fernüberwachen möchten. Da Hardwaremonitor modular aufgebaut ist, lässt sich dessen Kern in maßgeschneiderte Skripten einbauen. Auf diese Weise können Macs in vorhandene Rechenzentrums-Management-Systeme eingebunden werden. Es gibt beispielsweise Anwender, die das Programm innerhalb von Nagios einsetzen. Das ist eine übliche Standardlösung, um vornehm ausgedrückt, unternehmensweit einen Leitstand zur technischen IT-Infrastrukturüberwachung einzurichten.
Wie erklärst Du Mac-Einsteigern das Tool PrefEdit? Wie sehen die Anwendungsfälle gewöhnlich aus?
Mac OS X verwendet zur Speicherung interner Daten an ganz verschiedenen Stellen und für ganz verschiedene Zwecke eine vereinheitlichte Datenstruktur, die sogenannten Eigenschaftslisten oder auf Englisch “Property Lists”. In Dateien gespeichert haben diese Listen meistens Namen, die auf “.plist” enden. PrefEdit ist nun ein Programm für Software-Entwickler und System-Administratoren, um mit diesen Eigenschaftslisten umzugehen. Dazu enthält das Programm drei Komponenten: Zum einen ist das ein Editor für Eigenschaftslistendateien. Man kann also diese plists anzeigen, ändern, konvertieren oder neue anlegen. Es gibt zwar auch von Apple ein Programm, was dies kann, den “Property List Editor”, aber Apple hat den leider seit Version 5 so verschlimmbessert, dass viele Entwickler damit nicht mehr arbeiten wollen. Es war tatsächlich so, dass ich mich über Apples neue Version des Property List Editors so geärgert habe, dass ich meine eigene Fassung im Stile der früheren Versionen nachprogrammiert und dann in PrefEdit eingebaut habe.
Mac OS X verwendet eine bestimmte Untergruppe von Property Lists auch dazu, Benutzereinstellungen und Systemeinstellungen dauerhaft abzuspeichern, was auf Englisch als “Preferences” bezeichnet wird. Die zweite Komponente von PrefEdit ist ein Editor, um die komplette Einstellungsdatenbank, die auf Hunderte von plists verteilt ist, anzuzeigen und verändern zu können. Das hat PrefEdit auch den Namen gegeben. Im Detail ist das Einstellungssystem von Mac OS X sehr komplex. PrefEdit besitzt einige im Moment einzigartige Funktionen, um bestimmte Aspekte dieses Systems, wie das gegenseitige Überlagern von Einstellungen für bestimmte Einstellungs-”Zonen” sichtbar zu machen. Software-Entwickler können hiermit erlernen und überprüfen, wie dieses System intern abläuft. Es ist dann einfacher zu verstehen, wie sich Änderungen an Einstellungen im System fortpflanzen.
Die dritte Komponente hat natürlich auch mit Einstellungen zu tun. Das Programm enthält einen Betrachter für sogenannte Einstellungsmanifeste. Vereinfacht ausgedrückt sind das Beschreibungsdaten, die in Programmen versteckt sein können und die die Bedeutung von einzelnen Einstellungen und Einstellungswerten dieses Programms im Klartext beschreiben. Apple setzt diese Manifest-Daten für professionelles Arbeitsgruppen-Management ein. Ein Netzwerk-Administrator, der gerade 100 neue Macs geliefert bekommen hat, kann über diese Technik beispielsweise herausbekommen, wie Mac OS X die Einstellungen für Mail-Accounts abspeichert. Er braucht dann nicht mehr einzeln hinzugehen, um auf allen 100 Rechnern die Firmenvorgaben für Mail-Accounts manuell einzustellen, sondern verwendet die Server-Tools von Apple zusammen mit einem Manifest, damit alle Rechner im Netz diese Einstellung vollautomatisch durch einen einzigen Knopfdruck übernehmen. PrefEdit kann die hierbei verwendeten Manifeste analysieren und auswerten.
Was würdest du gerne gefragt werden, worüber würdest du gerne reden, wonach ich nicht gefragt habe?
Einige Fragen habe ich schon recht länglich beantwortet. Ich glaube, wir können hierauf verzichten.
Herzlichen Dank! Das war Marcel Bresink.
Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview.
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Aktualisiert am 18/11/2011
Tags: Mac OS X, Mac-Entwickler, Mac-Software
Thyrfing schrieb am
12/05/2010 um 21:13Super Interview und klasse Informationen.
Die Stellen mit der Qualität fand ich als Macuser ziemlich, hm, beunruhigend…
Danke dafür an die Beteiligten!
Grüße
Thyrfing