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[Interview] “Webstandards sind das Fundament von Webdesign mit Webstandards”, sagt Web-Architekt Björn Seibert

“Webstandards sind das Fundament von Webdesign mit Webstandards”, sagt Web-Architekt Björn Seibert. Betreiber vom Blog Webzeugkoffer und Webdesign-Buchautor. Was Björn noch, über Webdesign, Userexperience und Soziale Netzwerke zu erzählen hatte erfährst Du in diesem Interview. Viel Spaß!

Bild: Webzeugkoffer-Homepage von Web-Architekt Björn Seibert.

Du betreibst das Projekt Webzeugkoffer und bist Autor. Magst Du dem noch etwas hinzufügen um Dich vorzustellen, Björn?
Ich heiße Björn Seibert und wurde vor 34 Jahren in Kaiserslautern geboren. Ich wohne in Mannheim und arbeite als Web Konzepter und Informationsarchitekt. In meinem Blog Webzeugkoffer beschäftige ich mit den Dingen, die mich auch im Beruf fordern und Themen aus artverwandten Disziplinen. Im Mittelpunkt steht alles rund um Webdesign, Konzeption und Userexperience (UX).

Webdesign ist ja ein dehnbarer Begriff, gibt es einen Teilbereich der Dich besonders fasziniert, oder in dem Du besonders gut bist?
Webdesign ist in der Tat sehr dehnbar. Noch dehnbarer ist die Berufsbezeichnung Webdesigner. So würde auch ich mich selbst nicht als Webdesigner bezeichnen. Eher als Konzeptdesigner, oder Web-Architekt oder, oder ;-) Ich habe mich mit der Thematik mal im Webstandardsmagazin 04/09 ausführlich beschäftigt. Den Artikel werde ich demnächst wohl noch in meinem Blog veröffentlichen.

Meine Schwerpunkte liegen v.a. in der Konzeption bzw. dem konzeptionellen Design von Websites. Damit einhergehend auch die Informationsarchitektur. In diesen Bereichen sehe ich deshalb auch meine besonderen Stärken. Die Faszination macht für mich der gesamte Webdesign-Prozess aus mit all seinen Facetten. Gestalterisch oder eher nüchtern und analytisch. Die Mischung macht’s für mich so interessant. V.a. auch dann, wenn man zusammen in interdisziplinären Teams an großen Projekten arbeitet. In meinem Beruf war’s mir deshalb auch noch nie langweilig.

Was macht für Dich gutes Webdesign aus und wie würdest Du Deine Meinung begründen, wenn Jemand nachfragt?
Der visuellen Wirkung einer Website kann sich niemand entziehen. Wie bei anderen Produkten auch, wirkt zunächst die Optik. Aber schon sehr schnell kommen andere, teilweise wichtigere oder zumindest gleichwertige Faktoren ins Spiel. Die Website sieht gut aus. Ok. Abgehakt. Aber dann muss sie weiter und darüber hinaus noch viel mehr leisten, als gut auszusehen.

Ich würde daher auch den Begriff Webdesign entsprechend weit fassen. Für mich hat eine Website ansprechend auszusehen – das muss nicht unbedingt der Überknaller sein – und mir dann v.a. das liefern, was ich mir von ihr erwarte. Z.B. Information in Form gut recherchierter und gut geschriebener Artikel, oder das unkomplizierte Auffinden passender Bahnverbindungen. Dauerhaft muss das Design einer Website für mich funktional und Usability technisch sauber sein, aber auch interessant genug, damit ich mich auf die Dauer nicht langweile. Vielleicht helfen zwei Beispiele dabei, die zeigen, wie unterschiedlich so was für mich “aussehen” kann: visitmix.com Klasse Content und sehr ansprechende Optik; High | Resolution Kein Designfeuerwerk, aber guter Content und trotzdem noch ansprechend und interessant genug für mich; Beide aber könnten gleich aussehen und es würde passen. Oder aber auch so verschieden, wie sie aktuell sind.

Content, Typografie und Usability sind Dreiviertel der Miete. Trotzdem habe ich mit wirklich hässlichen Websites von vorn herein meine Probleme. Auch wenn die Informationen noch so wertvoll sind.

Welchen Beitrag auf deinem Blog würdest Du Leuten empfehlen die zum ersten Mal den Webzeugkoffer betreten haben?
Nach über eineinhalb Jahren und 275 Artikel ist das schwer zu sagen. Ich empfehle die Übersicht der – aus meiner Sicht – wichtigsten Artikel des Webzeugkoffers: http://www.webzeugkoffer.de/artikel/

Welche Hardware und Software nutzt Du und magst Du etwas zu Deinem Buch (Bücher?) sagen?
Ums hier nicht allzu ausführlich werden zu lassen: Das durchschnittliche Arsenal eines Webdesigners. Die Säulen sind mein Macbook Pro, Espresso für HTML& CSS, Cyberduck (ftp) und Photoshop. Außerdem natürlich auch Open Office für die Konzeption.

Mein bisher erstes und einziges Buch ist Professionelles Webdesign mit (X)HTML & CSS. Das ist schon etwas in die Jahre gekommen (Erstauflage 2006), aber relativ zeitlos und daher weitestgehend noch aktuell. Ein weiteres würde ich sehr gerne schreiben. Es juckt wieder, ein grobes Konzept habe ich auch schon. Allerdings weiß ich noch nicht, wann ich Zeit und Muse finden werde, das dann wirklich durchzuziehen.

Was fasziniert Dich am Internet im allgemeinen und an Webdesign im speziellen, besonders stark?
Ich bin bekennender Webjunkie. Das Internet hat für mich noch kein Stück seiner Faszination verloren und ich bin froh, jeden Tag ein Stück beitragen zu können und immer wieder Neues zu entdecken.
Ganz einfach.

Userexperience (UX) ist ein starkes Buzzword, was verstehst Du darunter, was macht besonders gute UX aus und kannst Du ein Beispiel von besonders schlechter UX nennen?
Es ist immer so eine Sache mit dem Buzz. Userexperience gibt es in der Tat schon länger. Mindestens seit dem es Produkte gibt. Aufs Web bezogen, ist der Begriff noch relativ neu und stark verbreitet erst seit vielleicht zwei Jahren. Den Begriff einfach zu umschreiben ist schwer. Ich hatte mir mal die Arbeit gemacht und nach Definitionsansätzen gesucht.

Was ist also Userexperience (UX)?

Diese aber zeigen, wie dehnbar auch dieser Begriff ist. Aber ich denke folgende Beschreibung dürfte es ganz gut treffen: Ein harmonisches Gleichgewicht aus Nutzen, Design und Usability. Das ist es zumindest für mich.

Mit schlechten Beispielen tu ich mir immer schwer ;-) Man hat mehr von guten Beispielen und den Hintergründen dazu. Für mich ist das z.B. die Website der BBC Die Hintergründe dazu wurden dort auch mal erläutert und es lässt sich erahnen, welchen positiven Effekt ein ganzheitlicher Prozess hat: Der elegante Weg der BBC ein Contentmonster zu bändigen und einzukleiden.

Du bist Web-Architekt und entwirfst Konzepte für Websites. Magst Du so ein Konzept genauer skizzieren und darauf eingehen was ein gutes Webdesign-Konzept ausmacht?
Ein gutes Konzept zeichnet sich durch einen ganzheitlichen Ansatz aus. Ein ausgewogenes Verhältnis von Anforderungsanalyse, Inspiration, Design, Technik und Usability. Mit dem Nutzer und den “Businessanforderungen” als leitende Rahmenbedingungen.

Auch hier verweise ich auf einen meiner Artikel, da ich mich im Webzeugkoffer schon oft und ausführlich auch mit diesem Thema beschäftigt habe: Webdesign – Ein Handwerk mit Plan und Konzept.

Wie wichtig sind Dir Webstandards. Welcher Webstandard ist für Dich der wichtigste und magst Du Deine Wahl begründen?
Webstandards sind in jedem Fall wichtig. Es gibt meiner Meinung nach nicht den “einen”. Es sind viele, die sich teils gegenseitig ergänzen oder bedingen. Die Einhaltung geltender Standards bietet den Webdesigner und -entwicklern einen theoretisch zuverlässigen Rahmen und daraus abgeleitet Best Practices für ihre Arbeit. Ein guter Standard sorgt, bei Einhaltung der Regeln, für eine Konstruktions- und Designsicherheit.

Webdesign mit Webstandards bedeutet mehr, als die korrekte Anwendung von Standards für Auszeichnungssprachen wie (X)HTML oder Formatierungssprachen wie CSS – „valides HTML“. Die regelkonforme Anwendung der Webstandards ist aber sehr wohl das Fundament von Webdesign mit Webstandards.

Das funktioniert im Bereich Webdesign allerdings nur dann, wenn auch die Browserhersteller mitmachen. Es ist trotz guter Standards bzw. Empfehlungen nicht ganz einfach, aber es wird besser. Auch weil Microsoft langsam in die Pötte kommt und mit den Versionen 8 und 9 des Internet Explorer näher an diejenigen rückt, die dem Ideal etwas näher kommen. Z.B. Firefox oder Safari. Und weil es noch einiges zu tun gibt und es auch weiter so sein wird, ist die Arbeit freier Organisationen wie z.B. den Webkrauts hoch einzuschätzen. Sie setzen sich für Best Practices und die Einhaltung von Standards ein und tragen so einen Teil zur guten Entwicklung bei.

Gibt es Podcasts und Netzprojekte die Du gerne besuchst und empfehlen magst? Die Frage zielt auf Deine allgemeinen Vorlieben nicht nur auf das eine Fachgebiet.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher nur einen Podcast regelmäßig verfolge. Die Technikwürze (Thema Webstandards). Dieser ist aber umso mehr zu empfehlen :-)

Gibt es neben dem Webzeugkoffer nach andere Projekte die ich und die Besucher von Maclites im Netz bewundern können?
Derzeit läuft neben dem Webzeugkoffer nicht viel. Es gibt nur ein weiteres Projekt, dass derzeit aber mehr oder weniger auf Twitter webdevbits schlummert. Früher war das mal mein “Zweitblog”. Vielleicht wird’s auch mal wieder zum Blog. Mal sehen.

Seit ein paar Monaten habe ich auch damit begonnen, mich mehr in die “Community” einzubringen und bin aktiver Mitorganisator des Webmontags in Mannheim: webmontag-mrn.mixxt.de.

Ich denke wie erwähnt auch darüber nach, wieder ein Buch zu schreiben. Aber ansonsten bin ich gut versorgt ;-)

Was hälst Du von sozialen Netzwerken, wie facebook, Xing und Co? Nutzt Du die “Social Networks” aktiv und wie relevant sind diese Plattformen für Dich als Web-Architekt?
Sehr viel. Wenn man sie nicht nur einsetzt, weil sie gerade da und hip sind. Gerade im Umfeld von Unternehmen herrschen noch sehr viele Missverständnisse und Berührungsängste mit den neuen und immer wieder neu entstehenden Kanälen und Netzwerken. Nicht blind drauf losballern und v.a. auch die Aufwände, die dahinter stecken nicht unterschätzen. Außerdem, wie bei normalen sozialen Kontakten auch, zählt nach wie vor Authentizität. Hier hilft u.a. eine regelmäßige Beobachtung des Marktes und eine Bewertung auf den Einsatz im konkreten Unternehmen.

Der Zusatz sozial verwirrt eigentlich auch mehr, als er nutzt. Was sind denn asoziale Netzwerke? Es sind natürliche und durch die aktuelle zur Verfügung stehende Technologie bedingte Netzwerke. Menschen sind selten gerne alleine ;-)

Ein deutschsprachiges Blog, das sich regelmäßig und mit guten Artikeln diesem und verwandten Themen widmet ist Future of Web Strategy vom meinerseits sehr geschätzten Sebastian Küpers.

Ich selbst nutze regelmäßig Twitter, XING, Facebook und Zootool. Andere hin und wieder. Außerdem sehe ich mir immer wieder neue Sachen an. Das gehört zu einem guten Teil ja auch zu meinem Job.

Machst Du Dir Gedanken wie ein Projekt auf iPhone, iPad oder anderen mobilen Geräten aussehen wird? Wie sinnvoll sind speziell angepasste iPhone-Themes (zum Beispiel durch das Plugin WP touch)?
Ich sage mal so. Ich behalte es für mich immer im Hinterkopf. Und sehe mir meine Projekte auch auf meinem iPhone oder Android basierten Systemen an.

Große Aufwände speziell in diese Richtung habe ich noch nicht betrieben. Auf der einen Seite interessiert es mich stark. Auf der anderen Seite, bin ich aber froh, dass ich es nicht wirklich muss. Wenn man bedenkt, wie heterogen die Systemlandschaft in dem Bereich auch 2010 noch ist. Ich achte v.a. (noch) auf eine vernünftige Darstellung, darauf dass alles sicht- und lesbar bleibt. Die mobilen Zugriffszahlen meiner Projekte und Websites belaufen sich auf zwischen 0,5 und 1,5%.

Fliessen Überlegungen zu Google, Bing und andere Suchmaschinen in Deine Projektplanung mit ein und magst Du etwas genauer darauf eingehen?
Unbedingt. Ich mache eine Website nicht nur, damit sie da ist und gut aussieht. Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist bei mir fester Bestandteil der Konzeption und der Projektplanung. Die Grundlage wird zunächst mal technisch gelegt wird. Durch sauberen und semantisch möglichst sinnvollen Code.

Der zweite wichtige Pfeiler ist der Content bzw. die Inhalte der Website. Gut geschriebene, auf den Punkt gebrachte und für die Zielgruppe(n) relevante Texte. Dieser Part muss unbedingt auch für den weiteren Betrieb der Website eingeplant werden und kann je nach Umfang einen Redakteur ganztags beschäftigen. Je nach Inhalten und Produkten.

Der dritte Teil geht dann schon eher in die Richtung Marketing. Z.B. Eintragungen in relevante Webverzeichnisse, AdWords-Kampagnen, und andere Maßnahmen des Onlinemarketings. Auch hier muss ein regelmäßiges Controlling erfolgen. Auch SEO ist eine dauerhafte Aufgabe und von daher nie abgeschlossen.

Worüber würdest Du gerne etwas erzählen, wonach ich aber nicht gefragt habe?
15 Fragen sind doch schon eine Menge ;-)

Das war Björn Seibert vom Webzeugkoffer. Herzlichen Dank!

Tillmann Scheele führte durch das Maclites Magazin Interview. Finde neue Maclites Interviewgäste und verfolge Maclites Magazin auf:

Aktualisiert am 19/11/2011

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